Endlich Durchbruch am Hallandsåstunnel

Blick von Båstad auf Ausläufer des Hallandsås

Blick von Båstad auf Ausläufer des Hallandsås

Manche Bauwerke brauchen länger als ursprünglich geplant. 21 Jahre nach dem ersten Spatenstich konnte Anfang September 2013 der Durchbruch der zweiten Tunnelröhre des Hallandsåstunnels zwischen Förslöv und Båstad gefeiert werden. Mit der Eröffnung des längsten schwedischen Eisenbahntunnels wird 2015 gerechnet – 40 Jahre nach dem Beginn der Planungen.

Der Bergrücken Hallandsås gilt als traditionelle Grenze zwischen den Provinzen Halland im Norden und Schonen im Süden. Hier verläuft die Westküstenlinie der schwedischen Eisenbahn, die u. a. Göteborg mit Malmö verbindet. Mit dem Tunnelbau soll die Fahrzeit verkürzt und die Kapazität auf der Strecke erhöht werden. 1975 präsentierte Statens Järnvägen (SJ), das schwedische Eisenbahnunternehmen, erstmals Pläne zur 8,7 Kilometer langen Unterquerung des Höhenrückens. Anfang der 1990er Jahre stellte das schwedische Parlament die finanziellen Mittel für ein Projekt zur Verfügung, das von Anfang an unter keinem guten Stern stand. Ursprünglich sollte der Tunnel 1997 fertig sein. Doch das Innere des Höhenrückens entpuppte sich als ganz anders als erwartet. Das Gestein erwies sich als zu schwach und viel mehr Wasser als berechnet drang in den begonnenen Tunnelbau ein. Gegen den Bau eines zusätzlichen Arbeitstunnels wehrte sich die Kommune Båstad erfolgreich vor Gericht, was zu weiteren Klagen und Urteilen führte.

Den unerwarteten Wassereinbruch versuchte man mithilfe chemischer Abdichtungsmittel ab Frühjahr 1997 in den Griff zu kriegen. Schon wenige Monate später zeigten sich die Folgen der Chemikalien, deren Zusammensetzung offenbar anders war als vom französischen Hersteller angegeben. In der Umgebung starben plötzlich Fische in den Gewässern, Kühe auf den Wiesen wurden krank und Bauarbeiter zeigten Vergiftungserscheinungen. Die dafür Verantwortlichen der beteiligten Unternehmen wurden Jahre später rechtskräftig verurteilt.

Der Tunnelbau wurde fortgesetzt und im August 2010 schaffte man mit der ersten Röhre den Durchbruch, drei Jahre später mit der zweiten. Wenn der Tunnel in zwei Jahren wie geplant eröffnet werden sollte, dürften die Baukosten bei rund 12 Milliarden SEK liegen, was rund 1,3 Milliarden Euro entspricht. Damit hätten sich die Kosten verglichen mit den Planungen zu Beginn der 1990er Jahre etwa verzwölffacht.

Autor(in): Christoph- c.baier@speedmail.se

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