Die farbenfrohen Strandhütten auf Falsterbo

Strandhütten auf Falsterbo

Farbenfrohe Strandhütten prägen die Strände Falsterbos

Rund 1000 farbenfrohe Holzhütten prägen das Landschaftsbild an den Stränden der Halbinsel Falsterbo, die zur Gemeinde Vellinge gehört. Hier, auf Schwedens südwestlichstem Landzipfel, hat sich die mehr als 100-jährige Tradition der praktischen Holzhütten bis heute bewahrt. Badesachen, Liegen, Spielzeug und alles, was für einen Strandtag gebraucht wird, kann hier aufbewahrt werden. Die „badhytter“ sind äußerst begehrt – und knapp. Ihre Zahl darf nicht erhöht werden.

Die Attraktivität der Hütten stellt die Gemeinde Vellinge immer wieder vor echte Herausforderungen. Eine Bedingung für den Besitz ist nämlich, Einwohner der Gemeinde Vellinge oder zumindest Grundeigentümer zu sein. Bei einer Überprüfung 2011 stellte sich heraus, dass fast 150 Besitzer diese Kriterien nicht erfüllt haben. Noch immer prüft die Gemeinde, inwieweit diese Eigentümer zum Verkauf der Hütten gezwungen werden können.

Wenig Pacht, viele Pflichten

Die Strandhütten liegen auf öffentlichem Grund und Boden. Die Pacht ist gering: 2013 erhebt Vellinge 1000 SEK, die im Mai eines Jahres bezahlt werden müssen. Zusätzliche Mehrwertsteuer fällt nicht an. Der Kauf der Hütte wird etwas teurer: Je nach Lage und Ausstattung liegen die Preise bei 30.000 SEK, in Ausnahmefällen wird aber auch das Dreifache verlangt. Meist werden die Hütten aber innerhalb der Familien weitergegeben. Mit dem Besitz sind allerdings auch Pflichten verbunden. Die Hütten müssen gepflegt werden, da sie ansonsten von der Gemeinde kostenpflichtig entfernt werden können. Sand auf der kleinen Terrasse darf nur manuell entfernt werden und jede bauliche Veränderung bedarf einer Genehmigung. Als Baumaterial ist ausschließlich Holz erlaubt.

Die soziale Kontrolle zum verantwortungsvollen Umgang mit den Hütten ist groß. Eine Vereinigung der Freunde der Strandhütten („Föreningen badhytternas vänner“) geht alljährlich im Herbst auf Kontrollgang. In einem auch im Internet einsehbaren Protokoll wird alles festgehalten, was den Regeln widerspricht. Fehlende Bretter, Graffiti, die Verwendung von Plastik- oder Metallteilen und der Gesamteindruck werden ebenso dokumentiert wie die erfolgten Reparaturen aufgrund von im Vorjahr festgestellten Mängeln.

Für Aufregung sorgte vor einigen Jahren der Fall einer Verwaltungsdirektorin, die weder in Vellinge wohnte noch Grundbesitz vorweisen konnte. Bei den Verhandlungen zur Fortsetzung ihres Arbeitsvertrages wurde ihr eine Strandhütte in der Nähe des Golfplatzes zugesprochen – unterschrieben von einem Parteifreund der Direktorin. Einige Jahre später wurde dieser Vorgang von den Rechnungsprüfern der Gemeinde als regelwidrig kritisiert.

Autor(in): Christoph- c.baier@speedmail.se

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