Buchrezension zu: Zwei Damen auf Männerfang

Alma und Margit sind beste Freundinnen. Die beiden Nachbarinnen besuchen sich gegenseitig jeden Tag mindestens einmal, entweder um zum zweiten Frühstück in Margits Küche gemeinsam ihre Knäckebrote zu schmieren, oder um nach dem Abendessen in Alma´s Wohnzimmer vor dem Fernseher saure Drops zu lutschen und Let´s dance zu schauen. Die beiden hochbetagten Seniorinnen genießen ihr kleines und überschaubares Leben. Das ändert sich, als der Gemeinderat beschließt, ihre Häuser und Gärten zwangszuenteignen, um auf diesen Grundstücken eine Zufahrtsstraße zu einer geplanten Feriensiedlung zu bauen.

Nachdem der erste Schock überwunden ist, beginnen die Schwedinnen einen neuen Lebensabschnitt im Altersheim. Bei dieser Gelegenheit beschließen sie, sich gleich noch ein paar neuen Herausforderungen zu stellen: Sie gehen shoppen, tauschen ihre altmodischen Röcke gegen schicke neue Hosen, absolvieren einen Computerkurs und machen sich mithilfe ihrer neu erworbenen Kenntnisse per Internet schließlich auf die Suche nach männlicher Begleitung…

Eines Tages hört Alma beim Durchqueren des Altenheim-Korridors zufällig Geräusche aus dem Lagerraum. Sie kombiniert messerscharf: Die Heimleiterin Ulla Ström macht dort mit dem Gemeinderatsmitglied Kjell Johansson rum. Geistesgegenwärtig schnappt sie sich ihre Kamera und lichtet die beiden beim Verlassen des Raumes ab. Ab hier hier nimmt die bis dahin eher beschauliche Handlung eine rasante Wendung, denn Alma und Margit können nun Kjell und Ulla, die beide mit anderen Partnern verheiratet sind, mit dem Wissen über ihre Affäre erpressen. Als Gegenleistung für die Beweisfotos verlangt Alma, das Kjell sich im Gemeinderat mit einer anderen Durchfahrt zum Freizeitpark durchsetzt, damit die beiden Damen ihre Häuser behalten können. Der Leser ist von Anfang an auf der Seite von Alma und Margit. Er fiebert mit den beiden sympathischen Schwedinnen mit und hofft auf ein Happy-End für die Zwei.

Fazit: Es muss nicht immer ein Krimi mit sein, wenn es um schwedische Literatur geht. Die Autorin Karin B. Holmqvist beleuchtet auf charmante Weise den Alltag heutiger schwedischer Senioren. Ein Alltag, der geprägt ist von scheinbar unüberwindbaren Gegensätzen zwischen Wollkorb und Wireless-Lan. Was unserer Generation selbstverständlich erscheint und nicht mehr wegzudenken ist, zum Beispiel der Gebrauch von digitalen Kommunikationsmitteln, erscheint älteren Leuten anfänglich oft als spannende Herausforderung, die Annäherung an solche als Abenteuer für sich. Holmqvist beschreibt dies aus Almas Sicht:

Sie fand manchmal, dass sie, obwohl sie hinkte, im Geiste jünger geblieben war, als viele der anderen, wozu sicher jetzt auch der Computerkurs beitrug. Die Hefte hatten Sie inzwischen mit Notizen gefüllt und begonnen, vorsichtig an den Geräten zu arbeiten. Das ging zwar langsam, und sie bekamen es gelegentlich mit der Angst zu tun, wenn unerwartete Dinge geschahen. Das erste Mal, als der Text „Zugriff verweigert“ auftauchte, wäre Alma fast vom Stuhl gefallen.

Die Autorin schafft es, solche Situationen amüsant zu schildern, ohne dabei die beiden alten Frauen bloß zu stellen. Mal heiter, mal nachdenklich, immer liebevoll ist diese kleine aber feine Perle der schwedischen Literatur geschrieben. „Zwei Damen auf Männerfang“ von Karin B. Holmqvist ist als Taschenbuch im Piper Verlag erschienen.

Autor(in): Beate – b.scherberich@gmx.net

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