Buchbesprechung: Henning Mankell, Erinnerungen an einen schmutzigen Engel


Ein neuer Roman von Henning Mankell, der zwar in Schweden beginnt, dann aber in Afrika spielt: Hanna, gerade 18 Jahre alt, zieht 1903 wegen der großen Armut ihrer Mutter und der jüngeren Geschwistern aus der kleinen Hütte im Wald aus und geht an die Küste, in der Hoffnung, dort eine Arbeit zu finden. 

Durch Zufälle heuert sie als Köchin auf einem Frachtsegler an und heiratet an Bord einen Seemann. Doch das Glück währt nur kurz. Ein paar Monate später geht Hanna als Witwe in Portugiesisch-Ostafrika an Land und beschließt, ihr Leben zu ändern. Die fremde Welt, fremde Sitten und das ungewohnte Klima machen Hanna zu schaffen. Außerdem hat Hanna noch nie vorher Schwarze gesehen. Von den Weißen werden diese unterdrückt und ausgebeutet.

Doch Hanna wird nach einiger Zeit und vielen ungeahnten Ereignisse Besitzerin des Bordells. Sie beginnt sich für die Rechte der Schwarzen einzusetzen. Doch sie gerät an Grenzen – Toleranz und die Einmischung in die vermeintlich gegebene Ordnung sind nicht erwünscht.

Henning Mankell beschreibt in seinem Roman die Entwicklung einer starken jungen Frau. Viele Dinge, die sie kennen lernt, sind ihr am Anfang sehr fremd und sie versteht diese neue Welt nicht. Aber sie bemerkt auch ihre eigene Veränderung und hält ihre Erlebnisse in ihrem Tagebuch fest.

Gelungen ist Mankell der Wechsel der verschiedenen Ebenen: in Rückblenden lässt er Hannas Kindheit in Schweden wieder aufleben, ihre Schiffsreise und die unerwarteten Wendungen in ihrem jungen Leben. Ihre Natürlichkeit hilft ihr in vielen Situationen weiter, bringt sie aber auch an ihre Grenzen.

Lesenswert, klasse geschrieben – gut, dass Henning Mankell mit dem Schreiben nicht aufhört!

Henning Mankell: Erinnerungen an einen schmutzigen Engel. Zsolnay 2012. ISBN 978-3-552-05579-7

Bestellmöglichkeit:

http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3552055797/tippklubballs-21

 

Autor(in): Inga – ivthomsen@gmx.de

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