Auf dem Silvervägen von Meer zu Meer

Entlang des Silvervägen. Foto: Juho Holmi /flickr.com (CC BY 2.0)

Entlang des Silvervägen. Foto: Juho Holmi /flickr.com (CC BY 2.0)

Der Silvervägen, die Silberstraße, wie der Riksväg 95 genannt wird, führt von Skellefteå  zur norwegischen Grenze und weiter bis nach Bodø. Die touristische Route folgt den Spuren des Silbers zwischen Bottnischem Meerbusen und Nordmeer – vorbei an wilden Flüssen, großen und kleinen Seen, durch samisches Kulturland, beeindruckende Landschaften.

Auf seinem Weg durch Nordschweden passiert der Silvervägen  Arvidsjaur und Arjeplog, Jäckvik und den Polarkreis. Auf einer Höhe von rund 740 Metern quert die Route die Grenze zu Norwegen. Hier trägt die Straße die Nummer 77, führt über die E6 nach Fauske und weiter auf der Reichstraße 80 bis nach Bodø.

Die Silberstraße ist Teil des Barents väg, einer Touristenroute, die von Bodø am Nordatlantik bis nach Murmansk ans Weiße Meer in Russland führt.

Dem Silber auf der Spur

Der Name Silvervägen geht auf den Erzabbau in den Nasafjäll-Silbergruben im 17. Jahrhundert zurück. Von den Gruben an der Grenze zu Norwegen wurde das Erz zu den Häfen in Piteå oder Kåge transportiert.

Was sich im Winter relativ einfach gestaltete, zumeist transportierten Sámi das Silber mit ihren Schlitten, gestaltete sich in der eisfreien Zeit umso schwieriger und zeitraubender. Dabei wurden die alten Wege Handelswege genutzt, aber es mussten Seen passiert werden – umladen von Schlitten auf Boote und umgekehrt. Solche Umschlagplätze waren unter anderem Arjeplog und Arvidsjaur.

Ursprünglich war der Silvervägen, nicht eine Straße, sondern vielmehr ein Wegenetz und die heutige Reichsstraße 95 war bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts mehr Feldweg als Straße. Mit dem Ausbau in Etappen seit den 50er Jahren nahm die Route Gestalt an. In ihrem heutigen Verlauf, der von den alten Silberwegen abweicht, besteht sie seit 1986 und verbindet Ostsee mit Nordatlantik.

Im Sinne der touristischen Vermarktung wird die Fernstraße Silberstraße bzw. Silberweg genannt. Wobei Letzteres (im Deutschen) zu Verwechslungen führen kann: Silberweg heißt auch ein Wanderweg in Hällefors – schwedisch: Silverleden.

Von Skellefteå nach Bodø

Lappstaden in Arvidsjaur. Foto: Jürgen Howaldt /de.wikipedia.org (CC BY-SA 2.0)

Lappstaden in Arvidsjaur. Foto: Jürgen Howaldt /de.wikipedia.org (CC BY-SA 2.0)

Ausgehend von Skellefteå, der zweitgrößten Stadt in Västerbotten, führt der Silvervägen vorbei an Boliden dem Erzabbaugebiet – auch Silber – mit Seilbahn. Weiter durch waldreiches Gebiet geht es nach Jörn, wo die Straße die Stambanan genom övre Norrland kreuzt. Das schmucke Bahnhofsgebäude ist unbedingt ein Foto wert. Schon auf dieser kurzen Etappe lagen mehrere Seen an der Strecke – eine Herausforderung sie alle auf dem Weg zu zählen.

Weiter geht die Reise auf dem Silvervägen nach Glommersträsk, Västerbotten hinter sich, das weite Lappland vor sich. Der kleine Ort ist bekannt für seine an einem Hang hochgelegenen Bauernhäuser und wartet mit einem interessanten Heimatmuseum auf, das von der frühen Besiedlung Lapplands berichtet.

Über Abborträsk, die Zahl der Seen kaum noch überschaubar, erreicht die Silberstraße Arvidsjaur. Für manch Urlauber ist der 4.000-Seelen-Ort das Tor zu Lappland – dank des Flughafens. Sehenswert ist die 30 Blockhütten und etwa 50 Vorratshäuschen umfassende Kyrkstan oder Lappstaden. Ganz in der Nähe liegt das Freizeit- und Wintersportgebiet Vittjåkks.

Weiter wendet sich der Silvervägen Richtung Nordwesten, nach Arjeplog, auf einer Landzunge zwischen Uddjaure und Hornavan, dem tiefsten See Schwedens. Im Winter ist zieht der entlegene Ort viele der europäischen Autohersteller an, die ihre neuesten Modelle testen.

Bei den Autotestern sind Besucher nicht unbedingt gern gesehen. Ganz anders im Zentrum von Arjeplog, im berühmten Silbermuseum. Einar Wallquist, der „Lappmarksdoktor“ hat eine unvergleichliche Sammlung sámischen Silberhandwerks und regionaler Geschichte zusammengetragen.

Etwa 60 Kilometer nordwestlich von Arjeplog liegt das Bergdorf Jäckvik, an einem Ausläufer des Hornavan. Die Silberstraße kreuzt den Kungsleden und nimmt am Nordufer des Sädvvájávrre (Sädvajaure) ihren Lauf. Auf der anderen Seeseite reicht der Peljekaise Nationalpark bis ans Ufer.

Die Gegend fast menschenleer, Norwegen nicht mehr weit, der Polarkreis noch näher: Rund 30 Kilometer vor der Grenze lässt der Silvervägen auch diesen hinter sich.

Junkerdal Nationalpark, Norwegen. Foto: Theede (Christian Theede) /flickr.com (CC BY 2.0)

Junkerdal Nationalpark, Norwegen. Foto: Theede (Christian Theede) /flickr.com (CC BY 2.0)

Auf norwegischer Seite warten gleich die nächsten Naturschönheiten. Nun als Straße 77 führt die Silberroute über Junkerdalen, ein Touristenzentrum. Nördlich davon der Junkerdal-Nationalpark, südlich der Saltfjellet-Svartisen Nationalpark. Von Junkerdalen geht es die E6 nach Norden hinab Richtung Atlantik. In Fauske zweigt die Straße nach Bodø, die Stadt der Seeadler ab.

Das Ziel der über 500 Kilometer langen Reise auf dem Silvervägen von Meer zu Meer ist erreicht.

Autor(in): Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

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