Auf die Frage nach dem erfolgreichsten Unternehmen Schwedens würden
wahrscheinlich viele „Ikea!“ antworten. Das bekannte Möbelhaus mit dem
charakteristischen blau-gelben Design und dem hohen Wiedererkennungswert ist
zwar tatsächlich der umsatzstärkste Einrichtungskonzern der Welt. Und doch: rein
rechtlich gesehen ist Ikea nicht einmal ein schwedisches Unternehmen, denn der
Firmensitz befindet sich in der niederländischen Stadt Leiden. Trotz allem
pflegt und verbreitet der multinationale Möbelhersteller sein schwedisches Image
in der ganzen Welt – in mittlerweile rund 300 Filialen in Europa, Asien,
Nordamerika und Australien. Ingvar Kamprad, der Ikea im Jahr 1943 gegründet hat,
erkannte bereits vor Jahrzehnten, dass es auf dem internationalen Markt von
Vorteil sein könnte, seinem Unternehmen einen nordischen Stempel aufzudrücken
und damit vom positiven schwedischen Image zu profitieren. Besonders in
Deutschland wird dieser „Bullerbü-Faktor“ sehr geschätzt, und genau dort macht
der Möbelkonzern im weltweiten Vergleich auch seinen größten Umsatz.
In der Stadt Västerås im Westen von Schweden wurde 1947 ein Modegeschäft mit dem Namen „Hennes“ eröffnet. 63 Jahre und 2 000 Filialen später ist aus diesem Geschäft ein internationales Bekleidungsunternehmen herangewachsen, das in rund 37 Ländern mehrere tausend Menschen beschäftigt – weltweit bekannt als Hennes & Mauritz, oder kurz als H&M.
Und man kann nun schon erraten, in welchem Land H&M mit einem Drittel des gesamten Verkaufs seinen größten Markt hat. Genau: in Deutschland, denn hierzulande scheint der schwedische Stil nicht nur bei Möbeln, sondern auch bei Klamotten besonders gut anzukommen. Skandinavische Schlichtheit in Kombination mit immer neuen, aktuellen Modetrends und ausgefallenen Stücken zu einem bezahlbaren Preis, das sind die Kernpunkte des H&M-Konzeptes. Bundesweit haben bereits über 360 Filialen geöffnet, Tendenz steigend.
Doch natürlich besteht die schwedische Unternehmenslandschaft nicht nur aus Möbeln und Mode. Einen weiteren bedeutenden Sektor bilden beispielsweise die rund 800 in Schweden ansässigen Life Science-Unternehmen, die Forschung und Entwicklung in den Bereichen Biotechnologie, Medizintechnik und Arzneimitteln vorantreiben. Damit verfügt das skandinavische Land im weltweiten Vergleich über die höchste Pro-Kopf-Anzahl an Firmen dieser Branche. Mit rund 23 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von circa sieben Milliarden Euro im Jahr 2007 nimmt der Biotechnologie-Sektor in Schweden einen hohen Stellenwert für die Wirtschaft des Landes ein.
Und nicht nur dieser Biotechnologie-Boom zeigt, dass Schwedens Wirtschaft fortschrittlich und zukunftsorientiert ist – ein Trend, der schon in der Vergangenheit immer wieder deutlich wurde. Ein Vorzeigeunternehmen der Skandinavier ist beispielsweise der Fahrzeughersteller Volvo. Während amerikanische Autobauer in den 50er und 60er Jahren noch mit erheblichen Sicherheitsmängeln zu kämpfen hatten, etablierte Volvo Standards, die noch heute in jedem Pkw stecken. Das beste Beispiel ist der Sicherheitsgurt, der bereits ab 1959 serienmäßig in jeden Volvo eingebaut wurde. Auch Sicherheitsglas, das bei einem Unfall nicht in tausend gefährliche Teile zersplittern konnte, wurde Teil eines jeden von Volvo hergestellten Fahrzeugs.
Wer genauer
hinschaut, kann feststellen, dass wohl jeder einmal in Berührung kommt mit
Produkten, die zumindest schwedische Wurzeln haben: Für die Kaffeemaschine am
Morgen liefert der Energiekonzern Vattenfall den Strom, zum Frühstück gibt es
ein Knäckebrot von Wasabröd, zum Telefonieren liegt das Handy von Sony Ericsson
bereits, der Hausputz wird mit einem Staubsauger von Electrolux erledigt, und
wer sich am Abend in seinen Ikea-Sessel sinken lässt und sich ein Glas Milch
eingießt, hat mit großer Wahrscheinlichkeit eine Verpackung von Tetrapak in der
Hand. Überall steckt ein kleines bisschen Schweden.
Jungbluth, Rüdiger
(2006): Die 11 Geheimnisse des IKEA-Erfolgs. Frankfurt/Main: Campus
Verlag.