Winternachtskälte und Mitternachtssonne – dieser
Kontrast ist die Essenz in Sofia Jannoks Musik. Inspiriert von Folk, Balladen,
Pop und Jazz singt die samische Sängerin von ihren Kindheitserinnerungen aus dem
hohen Norden, von ihrer Großmutter, von Hundegespann und Tundra. Ihre
größtenteils selbst geschriebenen Songs und Songtexte, darunter auch
Joijk,
sind eine persönliche Hommage an ihre Heimat im hohen Norden.
Sofia
stammt aus Gällivare, auf dem 67. Breitengrad in der nördlichsten Provinz
Schwedens, in Lappland. Geboren 1982, singt sie seit sie 11 Jahre alt ist und
gilt als eine der erfolgreichsten schwedischen Nachwuchssängerinnen für Folk,
Weltmusik und Jazz. Sofia ist Gewinnerin des Sami Grand Prix in
Kautokeino, des samischen Wettbewerbs vom Eurovision Song Contest. Zwar keine
Auszeichnung, aber viel Aufmerksamkeit erhielt sie beim populären schwedischen
Vorentscheid zum European Song Context 2009, dem Melodifestivalen, wo sie den
Abba-Song Waterloo auf samisch präsentierte. Mit ihrer Band Peter Tikkanen am
Piano, Johan Englund am Schlagzeug und Tobias Helén am Kontrabass hat sie
exzellente Musiker an ihrer Seite, die ihre eindrucksvolle Stimme mit energie-
und farbenreichen Klänge untermalen. Mal jazzig anmutend, mal mit fetzigen
Beats, mal als melancholisch - samischer Pop – Sofia Jannoks Repertoire ist
breit. Aber die Wahl der Sprache bleibt gleich: Sofia Jannok präsentiert ihre
Musik ausschließlich in ihrer Muttersprache, auf nordsamisch.
Dabei
zeichnet ihre Musik den Gegensatz von nordsamischer Identität und Kosmopolität
aus. „Da ich in zwei Kulturen aufgewachsen bin, ist meine Musik von beidem
geprägt”, sagt sie. Ihr aktuelles Album ᨨogáttis / by the embers,
erschienen bei Caprice Records, nimmt uns also mit auf eine kontrastreiche Reise
zwischen wilde Tundra und verrauchten Jazzkneipen. Aber der lange nordische
Winter, die samischen Weiten und die melancholische Einsamkeit in Sápmi, dem
Land aus „Feuer und Eis“ bleiben ihr Hauptthema.
Ihren eigenen Stilmix
aus Tradition und Moderne bringt sie in Sound und Styling auch sehr erfolgreich
auf die Bühne. Live war sie 2009 in Deutschland zunächst beim Kulturfestival
Nordischer Klang zu sehen, wo sie das Publikum im Theater Mecklenburg Vorpommern
begeisterte. Nach Greifswald im Mai folgte ein Auftritt an der Schwedischen
Botschaft in Berlin im Juni und eine Show im belgischen Brüssel, jeweils zum
Auftakt des schwedischen EU-Ratsvorsitzes im zweiten Halbjahr 2009. Eigentlich
ist Sofia Jannok eher außerhalb von Europa ein Star, ihre Tourneen führten sie
bereits nach China und in die USA.
Die vielseitige Sängerin malt dem
Publikum ihr Land nicht nur in Klangfarben auf die Bühne. Zwischen den einzelnen
Songs schildert sie ihre samische Heimat in einfachen und doch so
eindrucksvollen Worten – Eis, Sonne, Glut, Kälte, unendliche Weite. Plötzlich
ist der Norden ganz nah.
“Northern lights dance under high
heavens
with sundry forms of fires
The full moon keeps watch
of weak
wanderers
so the coldness of winter won’t trick us
beyond the border of
eternity”
aus: Á¨¨ogáttis / By the embers, (2008)