Snus –die schwedische Antwort auf Rauchen

Snus ist ein Tabakprodukt, welches im Gegensatz zu Kautabak nicht gekaut, sondern unter die Oberlippe geschoben wird und Nikotin über die Schleimhäute an den Körper abgibt. Nach einiger Zeit (Minuten bis Stunden) wird der ausgelutschte Tabak wieder ausgespuckt. Damit gehört es zu den Drogen und darf in Schweden nur an Erwachsene über 18 Jahren verkauft werden. In Deutschland ist der Verkauf von Snus verboten.

Schwedischer Snus besteht aus 3 Hauptkomponenten: Tabak, Wasser und Salz. Um verschiedene Geschmackssorten zu erhalten, werden außerdem noch Aromen und Geschmackstoffe (z. B. Lakritz, Whisky, Menthol,…) zugesetzt. Die Nikotinkonzentration liegt zwischen 0,5 - 1,0%. Snus gehört in Schweden zu den Lebensmitteln und wird daher strengen Kontrollen bei Herstellung und Verarbeitung unterzogen.

Schwedischer Snus wird in einem dreistufigen Prozeß hergestellt. Zuerst werden die Tabakpflanzenblätter  vermahlen, dabei werden für ein Snus-Produkt 10-30 verschiedene ausgewählte Tabaksorten verwendet, anschließend wird dem pulverisierten Tabak Salz und Wasser untergemischt und das Ganze erhitzt, um eine verlängerte Haltbarkeit zu garantieren. Dieses spezielle Pasteurisierungsverfahren ist notwendig, da feuchter Snus einen Wasseranteil von 50-60% enthält. Nach dem Abkühlen kommen die Aromen hinzu.

Durch den hohen Wassergehalt ist Snus leicht verderblich und kann daher nur ein paar Wochen ohne Geschmackseinbußungen aufbewahrt werden. Deshalb wird empfohlen, den feuchten Snus im Kühlschrank aufzubewahren. Trockener Snus dagegen kann bei Zimmertemperatur gelagert werden.

Schwedischer Snus wird in den typischen kleinen runden Dosen verkauft. Es gibt zwei Darreichungsformen: der abgepackte Snus (Portion): kleine Päckchen Tabak sind in einer Art Teebeutel gepresst und werden in vier verschiedenen Größen verkauft. Des Weiteren unterscheidet man noch vit (weiß) und original. Vit Snus ist in trockenen „Teebeuteln“ abgepackt, damit er auch außerhalb des Kühlschranks gelagert werden kann. Beim Original Snus ist auch das Beutelchen feucht. Daneben gibt es den losen Snus (lös), der mit den Fingern oder anderen Hilfsmittel portioniert werden muss. Hier sollte man darauf achten, dass der Tabak nicht verschluckt wird.

Seit 2003 gibt es nikotinfreie Alternativen zu Snus. Hier wurde der Tabak ersetzt durch Pfefferminzblätter. Weiterhin enthält das Produkt Salz, Pfeffer und Aroma.

Weit verbreitet ist immer noch der Glaube, dass Snus früher Glassplitter enthielt, welche die Mundschleimhaut aufrauten und sie dadurch für das Nikotin noch durchlässiger machten. Eine Erklärung dafür könnte ausgefallenes Salz sein, welches scharfkantig ist.

Laut verschiedenen Studien soll Schwedischer Snus weniger gefährlich sein als Zigaretten, da hier kein Tabak verbrannt wird. Somit entstehen auch keine krebserregenden Nitrosamine, und die bereits im Schwedischen Snus enthaltenen kanzerogenen Stoffe unterliegen strengen Grenzwerten.

Etwa 20% der Schweden benutzen Snus, davon sind ungefähr 23% Frauen.

Der erste Tabak kam bereits im 17. Jahrhundert nach Schweden. Danach züchteten die Schweden ihren eigenen Tabak. In der Blütezeit im 18. Jahrhundert wurde in 72 schwedischen Städten, hauptsächlich in Skåne, Tabak angebaut. 1964 wurde in Åhus der letzte schwedische Tabak für den kommerziellen Verbrauch geerntet. „Gesnust“ wurde zuerst vom Adel, damals noch vorwiegend durch die Nase, der den Tabak in kostbaren Dosen aufbewahrte. Im frühen 19. Jahrhundert begann man, sich eine Prise unter die Oberlippe zu legen und auch das gewöhnliche Volk übernahm diesen Brauch.
1970 wurde Snus zum Lebensmittel.

Der steigende Snus-Konsum wird damit begründet, dass u. a. in Schweden das Rauchen in öffentlichen Gebäuden verboten wurde, Zigaretten nicht zu Sportlern passen und Snus aber auch an solchen Arbeitsplätzen verwendet werden darf, an denen Zigaretten wegen offenen Feuers verboten sind.

(Autor: Alexandra Axt-Heidemann)

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