Bunte Strickmützen, Rentiere, einsames Leben nahe am Polarkreis. Das verbinden wir mit den Sami - oder heißen sie Lappen?
"Sami" bedeutet auf samisch in etwa "Sumpfleute" - so bezeichnen sich die Sami selbst. Den Begriff "Lappen" empfinden sie als abwertend und lehnen ihn deshalb ab. Er kommt wahrscheinlich von dem schwedischen Wort "Lappar" = "Flicken, Lappen", oder dem finnischen "lappalaiset"= Menschen, die in Lappen gehüllt sind. Die offizielle und internationale Bezeichnung jedoch ist "der Sami/die Sami".
Die Sami leben im Norden Schwedens, Norwegens, Finnlands und auf der russischen Halbinsel Kola. Früher gab es eine schwedische Provinz Lappland, die heute zu den Provinzen Norrbotten und Västerbotten gehört. Das schwedische Gebiet Lappland war also immer nur ein Teil des Gebietes des Sami, bis heute wird der Begriff aber manchmal benutzt, um deren Siedlungsraum zu beschreiben. Politisch gehören die Siedlungsgebiete der Sami zu verschiedenen Nationen, trotzdem haben sie in Schweden, Norwegen und Finnland eigene Volksvertretungen. In Schweden heißt das samische Parlament "Sametinget". Es kann zwar keine Gesetze erlassen, aber es fördert und vertritt die Interessen der Sami in Schweden. Die Sami haben eine eigene Flagge und eine eigene Nationalhymne.
Es gibt ca. 70 000 Sami, davon leben etwa 20 000 in Schweden. Die Sprache der Sami hat viele verschiedene Dialekte, die sich sehr voneinander unterscheiden. In Schweden ist Samisch als Minderheitensprache anerkannt, d.h., die Sami können in ihrer Sprache mit Behörden kommunizieren und Eltern können wählen, in welcher Sprache ihre Kinder unterrichtet werden. Die samischen Sprachen gehören zu den finnisch-ugrischen Sprachen, zu denen auch Finnisch, Estnisch und Ungarisch zählen.
Berühmt sind die Sami für ihre Traditionen und ihre naturverbundene Lebensweise. Ihre bunten Trachten enthalten immer die Farben blau, rot, gelb und grün und variieren je nach Region. Früher zeigten die Sami einander damit, woher sie kamen, heute tragen sie diese Kleider oft nur noch zu Festen oder für Touristen. Einmal im Jahr, Anfang Februar, halten die Sami in Jokkmokk ihren berühmten "Jokkmokk Marknad" ab. Im 16. Jahrhundert war dieser Markt der wichtigste Handelsplatz der Sami, heute zieht er vor allem Touristen an. Man kann dort samisches Kunsthandwerk kaufen, an einer Elchsafari teilnehmen und traditioneller samischer Musik lauschen, z.B. dem "Joiken", einer Art Jodeln.
Die Sami sind eines der ältesten Urvölker der Erde und das älteste Europas. Ursprünglich ein Nomadenvolk, lebten sie früher hauptsächlich von der Jagd, vom Fischfang und vom Handel mit ihren Erzeugnissen untereinander. Die Rentiere dienten zuerst als Jagdbeute, dann als Nutztiere und haben das Bild der Sami wesentlich geprägt. Heute wohnen und arbeiten die meisten von ihnen nicht mehr auf traditionelle Weise, nur noch ca. 10 Prozent leben von der Rentierzucht. Außerdem bilden Landwirtschaft, Kunsthandwerk und immer mehr der Fremdenverkehr wichtige Erwerbsquellen. Indem sie ihre Kultur Touristen vermitteln, halten sie ihre Traditionen lebendig und schaffen eine Verbindung zur Gegenwart und Zukunft.