(* 22. Januar 1849 in Stockholm, † 14. Mai 1912 ebenda)
war ein schwedischer Schriftsteller und Künstler. Er gilt als einer der
wichtigsten schwedischen Autoren, besonders seine Dramatik ist weltbekannt. Von
den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts bis zu seinem Tod dominierte er das
literarische Schweden, war ständig umstritten und oft in persönliche Konflikte
involviert. Zu seinem umfangreichen literarischen Werk gehören Romane, Novellen
und Dramen, die zu den Klassikern schwedischer Literatur zählen. Er hatte 7
Geschwister und war aufgrund der wirtschaftlichen Schwankungen der väterlichen
Schiffsagentur war sie zu zahlreichen Wohnungswechseln genötigt. Strindberg zog
zehnmal um innerhalb der 20 Jahre, die er gemeinsam mit der Familie lebte.
Bildung und Kunst wurden im Elternhaus gepflegt, wenn auch in bescheidenem Maße.
In der Kindheit beherrschte er als einziger der Familie kein Instrument.
Strindberg wird als schüchternes, verschlossenes Kind beschrieben, das sich
schon früh für die Naturwissenschaft interessierte. Seine Ansichten über Ehe und
Familie galten als ähnlich streng wie die seines Vaters. In seiner Pubertät und
nachdem die Mutter an Tuberkulose verstorben war, was das schwierige Verhältnis
zum Vater nur kurzzeitig verbesserte und sich recht durch die baldige
Wiederverheiratung, zog er sich in den Pietismus zurück, mit dem er durch seine
Mutter erstmals in Berührung gekommen war und übte sich in religiöser
Enthaltsamkeit. Im Mai 1867 legte Strindberg sein Abitur ab und immatrikulierte
sich in Uppsala für das Studium der „Ästhetik und lebenden Sprachen“. Neben
Versuchen, sich als Scharfschütze und Prediger Geld zu verdienen, war er vor
allem als Grundschul- und Hauslehrer tätig. Bald darauf nahm er außerdem ein
Medizinstudium auf, brach die Studien jedoch 1869 ab, um sich an einer Karriere
als Schauspieler zu versuchen. Nach deren Scheitern entschied er sich 1870, das
Studium in Uppsala fortzusetzen. Während seiner Studienzeit begann Strindberg
mit dem Schreiben. Nach zwei Jahren zwang ihn seine finanzielle Situation, das
Studium endgültig abzubrechen und in die Hauptstadt zurückzukehren. Er
versuchte, als Journalist unterzukommen. Die erste Fassung von Mäster Olof
(Meister Olof) entstand in dieser Zeit. 1873 arbeitete er als Redakteur bei der
schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter. Ein Jahr später bekam er bei der
Königlichen Bibliothek eine Anstellung als Sekretär, die bis 1882 bestand.
Strindbergs literarischer Durchbruch kam 1879 mit der Herausgabe von Röda rummet
(Das rote Zimmer), einem satirischer Gesellschaftsroman, und der Aufführung von
Meister Olof. 1877 heiratete Strindberg die Finnlandschwedin Siri von Essen,
eine Schauspielerin des Königlichen Theaters. Mit ihr hatte er drei Kinder
(Karin 1880, Greta 1881 und Hans 1884). Während der folgenden Jahre schrieb er
ein historisches Werk, Svenska folket (Das schwedische Volk) und den Roman Det
nya riket (Das neue Reich). Diese Werke waren in einem realistischen Stil
geschrieben, der im Prinzip sämtliche gesellschaftlichen Institutionen
kritisierte. Strindberg wurde so viel diskutiert und kritisiert, dass er sich
1883 genötigt sah, Schweden zu verlassen, um sich in Frankreich und später in
der Schweiz niederzulassen. Zusammen mit Siri und den Kindern schloss sich
Strindberg der skandinavischen Künstlerkolonie im französischen Grez an. 1884
wurde die Novellensammlung Giftas (Heiraten) veröffentlicht. Der erste Teil der
Dygdens lön (Lohn der Tugend) führte zu einer Anklage wegen „Gotteslästerung und
Verspottung der Heiligen Schrift und der Sakramente“. Strindberg, zu diesem
Zeitpunkt in Genf lebend, musste in Stockholm vor Gericht erscheinen. Bei seiner
Ankunft wurden Kundgebungen veranstaltet, eine Festaufführung von Glückspeters
Reise wurde mit großem Erfolg gezeigt. Arbeiterorganisationen und Akademiker
sprachen sich für den Schriftsteller aus. Letzten Endes sprach das Gericht
Strindberg frei, woraufhin er in die Schweiz zurückkehrte. Trotz des Freispruchs
blieb die Anklage jedoch nicht ohne negative Folgen für ihn. In Schweden verlor
man das Interesse an Strindberg, der sich nun vorläufig von seinem Heimatland
abwendete. Andere Werke machten Strindberg darüber hinaus in ganz Europa als
„Frauenfeind“ bekannt. Während des Auslandsaufenthalts fuhr Strindberg fort,
autobiografische Romane sowie gesellschaftskritische Romane zu schreiben und zu
publizieren. Bis Ende 1889 blieb er im Ausland und kehrte schließlich nach
Stockholm zurück. Seine Ehe mit Siri von Essen war in dieser Zeit immer
angespannter geworden, was sich auch in den Frauenportraits in seinen Romanen
niederschlug. August und Siri ließen sich 1891 scheiden. Der Aufbruch war von
einer künstlerischen Krise begleitet. 1892 zog Strindberg nach Berlin. Anfang
1893 lernte Strindberg die zwanzigjährige Journalistin Maria Friederike Uhl
(Frida) aus Österreich kennen. Wenige Monate später nahm er sie auf Helgoland
zur Frau. 1894 wurde Tochter Kerstin geboren. Zahlreiche Auseinandersetzungen
und Streitereien begleiteten die Beziehung, so dass es noch im selben Jahr zum
endgültigen Bruch zwischen Strindberg und Uhl kam. Erst 1897 wurde die Ehe
rechtskräftig geschieden. Nach der Ehe mit Frida Uhl durchlebte Strindberg eine
ausgesprochen düstere Phase seines Lebens, in der er unter Wahnvorstellungen,
Realitätsverlust und Depressionen litt. Sie wird „Inferno-Krise“ genannt, da
Strindberg die Erfahrungen dieser Zeit vor allem in dem Roman Inferno, Legender
(1897, Inferno. Legenden) in Form von autobiografischen, teilweise verklärten
Aufzeichnungen verarbeitete. Es ist auch die Zeit, in der Strindberg begann,
wissenschaftliche und alchemistische Versuche zu machen. Er widmet sich vermehrt
den Wissenschaften, speziell Evolutionstheorie, Soziologie, Psychiatrie und
Chemie interessieren ihn. In gewisser Weise gelang es ihm, sich „frei zu
schreiben“ und so seine psychische Krise zu überwinden. In den folgenden sechs
Jahren schrieb er mehr als 25 Stücke. In der Zeit zwischen 1898 und 1907 findet
eine Neuausrichtung in Strindbergs Schreiben statt: Von Anarchismus, Realismus
und Naturalismus hin zu Mystik, Symbolismus und Okkultismus. Seine in dieser
Zeit entstandenen Dramen haben die europäische Theatergeschichte des 20.
Jahrhunderts nachhaltig beeinflusst. Strindberg war jetzt ein berühmter
Schriftsteller, was nicht verhinderte, dass er finanziell in der Krise war und
weiterhin gegen alles und jeden einen Aufstand machte. 1897 beschloss er, sich
doch mit seinem Land zu versöhnen und zog nach Schweden zurück. 1900 lernte
Strindberg die junge Künstlerin Harriet Bosse bei einer Theatervorstellung
kennen. Fasziniert von ihrer exotischen Erscheinung bot er ihr die Rolle der
Dame in seinem Drama Nach Damaskus an. 1901 heirateten Strindberg und Bosse. Im
Jahr darauf wurde Tochter Anne-Marie geboren. Strindbergs Ehe mit Bosse hielt
bis 1904. Von besonderer Bedeutung für Strindberg war die Gründung des Intimen
Theaters am 26. November 1907 in Stockholm, wo er sich mit Begeisterung als
Stifter, Dramaturg und Regisseur einbrachte. Auch schrieb er zahlreiche Stücke
eigens für die Bühne des Theaters. Interne Streitigkeiten führten 1911 zur
Schließung des Intimen Theaters. 1908 zog Strindberg in die Drottninggata 85, in
den so genannten „Blauen Turm“, wo heute sein Museum und der Sitz der
Strindberg-Gesellschaft sind. Während seiner letzten Jahre nahm er die
gesellschaftskritische Sparte wieder auf, was eine sehr intensive Debatte
auslöste. Strindberg wurde eine Ikone der Arbeiterbewegung. Im „Blauen Turm“
hatte er wieder Kontakt zu Siri und den gemeinsamen Kindern, die er auch
finanziell unterstützte. Strindberg litt zunehmend unter Krankheitsbeschwerden,
denn er war an Magenkrebs erkrankt. Seinen Abschied vom Leben nahm er mit den
ergreifenden Worten „Jetzt ist alles Persönliche vernichtet“, worauf er eine
Bibel auf die Brust legte. Am 14. Mai 1912 starb Strindberg - kaum einen Monat
nach dem Tod von Siri. Er wurde in Stockholm auf dem Nordfriedhof Norra
begravningsplatsen begraben, mit etwa 60.000 Trauernden im Gefolge. Ave Crux
spes unica (Sei gegrüßt Kreuz, einzige Hoffnung) war die Inschrift auf dem
Grabstein.
Strindberg war ein Künstler, so malte und fotografierte
während mehrerer Lebensphasen mit künstlerischen Ambitionen. Strindbergs Malerei
ist eng verbunden mit seinem literarischen Werk und spiegelt seine unstete,
kontroverse Persönlichkeit gleichermaßen wider.
Strindbergs
Persönlichkeit wies deutliche Züge einer paranoiden Schizophrenie auf -
immer wieder wurde er von Wahnvorstellungen, Realitätsverlust und Depressionen
heimgesucht. Auch drohte er unzählige Male in Briefen damit, Selbstmord zu
begehen, ein ernsthafter Selbstmordversuch ist jedoch nicht belegt. Seine
psychische Instabilität erreicht zwischen 1895 und 1897, im Alter von fast 50
Jahren, ihren Höhepunkt mit der so genannten „Inferno-Krise“. Strindbergs
literarisches und künstlerisches Schaffen ist tief geprägt von seiner
psychotischen Veranlagung und den gescheiterten Ehen. Literatur und Malerei
dienten ihm als Mittel, um „dem Ansturm der Wirklichkeit zu begegnen und sich
eine quasi-medizinische Kur zu verschaffen“. So enthalten zahlreiche seiner
Werke autobiografische, teils verzerrte Züge.
Strindberg war ein
„Suchender“ – sein Leben unstet, voller Wissbegier, Aufbegehren, Krisen und
Wendungen. Von besonderer Bedeutung ist sein Verhältnis zur Religion, das sich
im Verlauf seines Lebens mehrfach wandelte und sich in seinen Werken
entsprechend niederschlägt. Schließlich ist es seine schonungslose
Gesellschaftskritik, mit der Strindberg über Schweden hinaus bekannt wird.
Strindbergs Verhältnis zu Frauen kann in erster Linie als ambivalent, nicht als
absolut negativ, beschrieben werden und ist im Sinne seiner grundsätzlichen
Auseinandersetzung mit der Beziehung zwischen den beiden Geschlechtern zu
verstehen.
Strindberg schrieb mehr als 60 Dramen, zehn Romane,
zehn Novellensammlungen und mindestens 8.000 Briefe. Das macht ihn ohne Zweifel
zu einem der produktivsten Autoren Schwedens. Strindberg umfasste alle großen
Ideenströmungen, die es zum Ende des 19. Jahrhunderts gab. Er erneuerte die
schwedische Prosa, indem er die deklamatorische und rhetorische Sprache der
älteren Prosa durch Umgangssprache und scharfe Beobachtungen direkt aus dem
Alltag ersetzte. Außerdem hatte Strindberg für seine Zeit möglicherweise höchste
Bedeutung als Dramatiker: Er war inspiriert von Shakespeare und dessen schnellen
Szenenwechseln. Strindberg revolutionierte das Drama aber auch, indem er die
Schauspieler eine natürliche Umgangssprache verwenden ließ. Die Handlung in
seinen Stücken bewegt sich typischerweise in einer historischen Umgebung und
veranschaulicht Klassenkampf und psychologischen Stellungskrieg. Strindberg gilt
als einer der Wegbereiter des modernen europäischen Theaters des 20.
Jahrhunderts, vor allem mit seinen Dramen Fräulein Julie und der Trilogie Nach
Damaskus. Damit ist er im gleichen Atemzug mit dem norwegischen Schriftsteller
Henrik Ibsen und dem Russen Anton Tschechow zu nennen.