Literatur

In dieser Rubrik stellen wir schwedische Autoren vor. Bücher und Hörbücher können online bestellt werden.

(Autor: Mareike Born)

Klassiker

(Autor: Mareike Born)

Bellman, Carl Michael

(* 4. Februar 1740 in Stockholm, † 11. Februar 1795 ebenda) war ein schwedischer Rokokodichter und Komponist. Er ist der berühmteste Liederdichter Schwedens und gilt in der schwedischen Literatur bis heute als Nationaldichter. Er war deutscher Herkunft und wuchs in wohlhabenden Verhältnissen auf, was Privatunterricht ermöglichte, wodurch er eine sorgfältige Ausbildung erhielt.

Als Autor debütierte Bellman 1757 mit einer Übersetzung der „Evangelischen Todesgedanken“ von David von Schweidnitz ins Schwedische. Es folgten weitere religiöse, aber auch satirische Schriften wie die Tankar om flickors ostadighet (Gedanken über die Unbeständigkeit der Mädchen, 1758) oder die Gesellschaftssatire in Versen Månan (Der Mond, 1760). Ein Studium an der Universität Uppsala brach er bereits nach einem Semester wieder ab und erhielt 1759 eine unbesoldete Anstellung bei der Reichsbank. Bellman lebte über seine Verhältnisse und nahm hohe Schulden auf. so dass er 1763 vor seinen Gläubigern heimlich über die Grenze nach Norwegen fliehen musste. Er konnte zwar einen Monat später mit einem königlichen Geleitbrief zurückkehren, verlor aber seine Stelle bei der Reichsbank und musste Anfang 1764 Konkurs anmelden. Nachdem er einige Monate auf dem Landgut seiner Familie zugebracht hatte, fand er auf Empfehlung eines Freundes eine Anstellung im Manufakturkontor bis zu dessen Auflösung Ende 1766 und kam schließlich in der Kanzlei der Königlichen Generalzolldirektion unter, bis auch diese 1772 aufgelöst wurde, wobei Bellman jedoch sein Gehalt weiter erhielt. König Gustav III, ein großer Förderer der schönen Künste, wurde 1772 durch die huldigende Komposition Gustafs Skål (Gustavs Wohl) auf ihn aufmerksam, lud ihn regelmäßig an den Hof, ließ ihm aus seiner Privatschatulle großzügige finanzielle Unterstützung zukommen und sorgte auf eine gereimte Bittschrift hin dafür, dass Bellman 1776 mit dem Titel eines Hofsekretärs und einem Jahresgehalt von 1000 Talern bei der Königlichen Lotterie angestellt wurde. Ein Teil dieses Gehalts diente wohl dazu, Vertreter zu bezahlen, die die Amtsgeschäfte für ihn erledigten. Bellman führte ein leichtsinniges Leben, erfüllte seine Dienstpflichten nur nachlässig, hielt sich viel in Kneipen und Gesellschaften auf, hatte Liebesaffären und war dem Alkohol zugetan. Am 19. Dezember 1777 heiratete er Lovisa Frederica Grönlund (*16. Oktober 1755), mit der er vier Söhne hatte. Bellman wurde auch als Ehemann weder häuslich noch treu, scheint aber ansonsten ein liebevoller Gatte und Vater gewesen zu sein. Seine fortwährende finanzielle Misere machte es ihm jedoch immer schwerer, seine Familie zu unterhalten, die deshalb mehrmals in immer schlechtere Wohnungen umziehen musste und nach seinem Tod völlig mittellos zurückblieb. Von seinen Gläubigern mit Prozessen verfolgt, kam er schließlich 1794 für zwei Monate ins Schuldgefängnis. Dadurch verschlimmerte sich seine Lungentuberkulose, an der er 1795 starb. Begraben wurde er auf dem Stockholmer Clara-Kirchhof, das Grab ist heute nicht mehr auffindbar.

Sein erstaunliches Talent, leicht und schnell Verse aus dem Stegreif zu dichten machte ihn zu einem beliebten Gesellschafter und Unterhalter, dessen Ruf sich rasch verbreitete. Seine dichterische Begabung wendete er seit der Mitte der 60er Jahre an die Lieder, die ihn unsterblich gemacht haben. Er sang sie selbst mit vielfach gerühmter Vortragskunst im geselligen Kreis und begleitete sich dazu selbst auf verschiedensten Instrumenten. Die Lieder waren häufig Schöpfungen des Augenblicks (Bellman war bekannt dafür, dass er stundenlang improvisieren konnte), verschafften ihm bald große Popularität und wurden von Mund zu Mund und in handschriftlichen Kopien weitergegeben. Die insgesamt ca. 1800 überlieferten Dichtungen Bellmans stellen sicher nur einen Teil seines Schaffens dar. Nach vielen vergeblichen Bemühungen gelang es Bellman schließlich, zwei Sammlungen seiner Lieder zum Druck zu bringen: 1790 Fredmans epistlar (Fredmans Episteln) mit 82 Liedern und 1791 Fredmans sånger (Fredmans Lieder) mit 65 Liedern, die wohl auch zu den bekanntesten und bedeutendsten Werken von ihm zählen.

„Fredmans Episteln“ knüpfen an die Episteln des Apostels Paulus an und parodieren anfangs den biblischen Ton, gehen aber weit über eine bloße Bibelparodie hinaus. Die Versform dieser Lieder ist überaus kunstvoll und variationsreich, ihr Inhalt oft derb, lustvoll und aus dem prallen Leben gegriffen. Sie handeln von fröhlicher Geselligkeit, Wein, Weib und Gesang, enthalten aber häufig auch Klagen über die Vergänglichkeit von Schönheit und Freude und elegische Betrachtungen über den Tod. Sie schildern kleine Dramen aus der Lebenswelt der Unterschicht, wobei ein fester Kreis von Personen auftritt. Sie sind größtenteils poetische Umgestaltungen realer Personen aus dem Stockholm des 18. Jahrhunderts. Auch auf mythologische Gestalten wird häufig Bezug genommen Trotz ihrer zeitgebundenen Anspielungen und ihrer gelehrten Metaphorik wirken die Lieder auch heute noch durch ihren persönlichen Ton, ihre unmittelbare Frische, ein tiefes Empfinden für Naturschönheit, die Kombination von Realismus mit humoristischen und satirischen Überzeichnungen, ihre eigenartige Mischung aus überbordender Lebensfreude und düsterer Todesahnung und die enge Verbindung von Wort und Musik. Dabei griff Bellman für seine Lieder gern auf Melodien populärer zeitgenössischer Opern und Singspiele zurück und passte sie seinen Bedürfnissen an.

Besonders in Schweden, aber auch im übrigen Skandinavien sind Bellmans Lieder bis heute weithin bekannt und beliebt. Schon 1824 wurde in Stockholm eine Bellman-Gesellschaft gegründet. Am 26. Juli 1829 wurde im Stockholmer Djurgarden eine Bronzebüste Bellmans von Johan Niklas Byström feierlich enthüllt. Seitdem feiert man in ganz Schweden, vor allem aber in Stockholm, den 26. Juli als Bellman-Tag. Die heutige Bellman-Gesellschaft, die sich vor allem durch die Herausgabe der großen Werkausgabe verdient gemacht hat, wurde 1919 gegründet. Auf der Stockholmer Insel Langholmen und im Schlosshotel Aspa am Vätternsee gibt es Bellman-Museen.

(Autor: Mareike Born)

Lagerlöf, Selma

(*20. 11. 1858 auf dem Gut Mårbacka (Värmland), † ebenda 16. 3. 1940) ist die Hauptvertreterin der schwedischen Neuromantik. Ihr Erstlingswerk »Gösta Berling«  (1891) projiziert Motive aus ihrer värmländischen Heimat und das eigene Schicksal in die Vergangenheit. Weitere Werke zeigen eine Synthese von Märchenhaftem und Realismus, vom Glauben an die Macht des Guten und Wissen um die existenzielle Gefährdung des Menschen. 1909 gewann sie den Nobelpreis für Literatur; 1914 wurde sie als erste Frau Mitglied der Schwedischen Akademie.

Selma Lagerlöf war das zweitjüngste von fünf Geschwistern. Selma Lagerlöf ging, anders als ihre Brüder, nicht zur Schule, sondern wurde mit ihren Schwestern von Gouvernanten zu Hause unterrichtet. Selma Lagerlöf wurde mit einem Hüftleiden geboren, wobei sich heute kaum beurteilen lässt, wie schwerwiegend es wirklich war. Ein leichtes Hinken blieb zurück. Ihr (leichte) körperliche Behinderung stilisierte Selma Lagerlöf bewusst in ihrer Autobiografie: Gerade ihr Schicksal als Außenseiterin, Außenseiter spielen in Selma Lagerlöfs Werk eine wichtige Rolle prädestinierte sie zum Schriftstellerberuf. Als sich die wirtschaftliche Lage in Värmland in den 1860er Jahren verschlechterte, war davon auch das Gut der Familie betroffen. In den 1870er Jahren verschlimmerte sich die Situation immer mehr. Selma Lagerlöf erlebte dies als Jugendliche mit, und die Angst vor dem Verlust des Heims verarbeitete sie später in vielen Werken. 1890, nach dem Tod des Vaters und als Selma Lagerlöf dort schon nicht mehr lebte, musste Mårbacka wegen Schulden verkauft werden. Schon als junges Mädchen las Selma Lagerlöf leidenschaftlich gern und interessierte sich für die Sagen und Geschichten ihrer Heimat, die sie von ihrem Vater und ihrer Großmutter hörte. Auf dem Dachboden führte sie gern selbst geschriebene Puppentheaterstücke auf. Für Hausarbeit und das, was als passende Beschäftigung für Mädchen angesehen wurde, zeigte sie hingegen kein Interesse.

Gegen den Wunsch ihres Vaters ging Selma Lagerlöf 1881 nach Stockholm und besuchte bis 1882 ein Mädchengymnasium. Von 1882 bis 1885 machte sie eine Ausbildung zur Volksschullehrerin am Königlichen Höheren Lehrerinnenseminar in Stockholm. 1885 starb Selma Lagerlöfs Vater. Im gleichen Jahr trat sie eine Stelle als Volksschullehrerin in Landskrona an. Diese Tätigkeit übte sie bis 1895 aus. Während ihrer Zeit in Landskrona schrieb Selma Lagerlöf ihren ersten Roman, Gösta Berling. Dem Roman lagen Geschichten über die Menschen ihrer Heimat zu Grunde, die Selma Lagerlöf als Kind gehört hatte. 1890 nahm sie mit fünf Kapiteln aus dem entstehenden Roman an einem Novellenwettbewerb der Zeitschrift Idun teil und gewann. 1891 erschien schließlich der fertige Roman. Der Roman erhielt zunächst überwiegend negative Kritiken und verkaufte sich schlecht. Entgegen Selma Lagerlöfs ursprünglicher Erwartung reichten die Einnahmen zunächst bei weitem nicht dafür aus, den Lehrerinnenberuf aufzugeben. Erst nach einer außerordentlich positiven Rezension des bekannten dänischen Literaturkritikers Georg Brandes im Jahr 1893 setzte sich Gösta Berling auch in Schweden allmählich durch und ist heute eines der am meisten gelesenen schwedischen Bücher.

1895 gab Selma Lagerlöf den Lehrerinnenberuf auf und unternahm zunächst bis 1896 eine große Reise durch Südeuropa. Ergebnis dieser Reise war der Roman Die Wunder des Antichrist. 1897 zog Selma Lagerlöf nach Falun in Dalarna, einerseits, weil ihre Schwester Gerda sie darum gebeten hatte, anderseits, weil Dalarna als Zentrum schwedischen Brauchtums und schwedischer Volkskultur galt. In der Gemeinde Nas in der Nähe von Falun war im Jahr 1896 eine Gruppe von Bauern in Folge einer religiösen Erweckung nach Jerusalem ausgewandert, um sich dort einer amerikanischen Sekte anzuschließen. Dies machte Selma Lagerlöf zum Thema ihres Romans Jerusalem. Der erste Band von Jerusalem war bereits unmittelbar nach seinem Erscheinen ein großer Erfolg bei Kritikern und Publikum und bedeutete Selma Lagerlöfs endgültigen Durchbruch als Schriftstellerin.

1906 schrieb Selma Lagerlöf ihr bekanntestes Buch, Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen. Dieser Roman entstand im Auftrag des schwedischen Volkschullehrerverbandes und sollte in den Schulen als Lesebuch verwendet werden. Nils Holgersson ist die phantastische Geschichte eines vierzehnjährigen Jungen, der zur Strafe für seine Bösartigkeit in ein Wichtelmännchen verwandelt wird und gemeinsam mit den Wildgänsen durch ganz Schweden reist, wobei er in vielerlei moralische Konflikte gerät. Nils Holgersson stellt gleichzeitig einen Erziehungs- und Entwicklungsroman und ein liebevolles Porträt Schwedens dar. Die einzelnen Landschaften werden, häufig in Form von Sagen und Märchen, vorgestellt, wobei auch damals aktuelle Informationen beispielsweise über die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Schwedens eingestreut werden. Nils Holgersson wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Bedeutung erlangte der Roman auch dadurch, dass zum ersten Mal in einem literarischen Werk die neue schwedische Rechtschreibung angewendet wurde. Interessant dabei ist aber, dass er den Flug der Wildgänse verkehrt herum darstellt, nämlich von Süden nach Norden, obwohl die Wildgänse auf dem Weg zur Überwinterung sind.

1907 wurde Selma Lagerlöf die Ehrendoktorwürde der Philosophie von der Universität Uppsala verliehen. 1909 erhielt Selma Lagerlöf, als erste Frau, den Literaturnobelpreis, „auf Grund des edlen Idealismus, des Phantasiereichtums und der seelenvollen Darstellung, die ihre Dichtung prägen“, wie es in der Begründung hieß. 1914 wurde Selma Lagerlöf als erste Frau zum Mitglied der Schwedischen Akademie gewählt.

Selma Lagerlöf engagierte sich insbesondere in Frauenfragen. 1911 hielt sie in Stockholm bei einem internationalen Frauenkongress die viel beachtete Rede Hem och stat („Heim und Staat“), in welcher sie die „weibliche“ Schöpfung des Heimes, in dem Frieden und Geborgenheit herrschen, der „männlichen“ Schöpfung des von Macht und Gewalt geprägten Staates gegenüberstellt. Dass eine weltbekannte Frau, Nobelpreisträgerin und Gutsbesitzerin, sprach, der das elementare staatsbürgerliche Recht, nämlich das Wahlrecht, verweigert wurde, machte die Rede besonders brisant. 1933 beteiligte sich Selma Lagerlöf an einem Komitee zur Rettung jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland. 1940 half sie der deutsch-jüdischen Schriftstellerin Nelly Sachs nach Schweden zu fliehen, und rettete so deren Leben.

Selma Lagerlöf sah es als eine Lebensaufgabe an, die Lebensweise in ihrer Heimat und auf dem Gut ihrer Eltern zu darzustellen und so für spätere Generationen zu bewahren.

(Autor: Mareike Born)

Strindberg, Johan August

(* 22. Januar 1849 in Stockholm, † 14. Mai 1912 ebenda) war ein schwedischer Schriftsteller und Künstler. Er gilt als einer der wichtigsten schwedischen Autoren, besonders seine Dramatik ist weltbekannt. Von den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts bis zu seinem Tod dominierte er das literarische Schweden, war ständig umstritten und oft in persönliche Konflikte involviert. Zu seinem umfangreichen literarischen Werk gehören Romane, Novellen und Dramen, die zu den Klassikern schwedischer Literatur zählen. Er hatte 7 Geschwister und war aufgrund der wirtschaftlichen Schwankungen der väterlichen Schiffsagentur war sie zu zahlreichen Wohnungswechseln genötigt. Strindberg zog zehnmal um innerhalb der 20 Jahre, die er gemeinsam mit der Familie lebte. Bildung und Kunst wurden im Elternhaus gepflegt, wenn auch in bescheidenem Maße. In der Kindheit beherrschte er als einziger der Familie kein Instrument. Strindberg wird als schüchternes, verschlossenes Kind beschrieben, das sich schon früh für die Naturwissenschaft interessierte. Seine Ansichten über Ehe und Familie galten als ähnlich streng wie die seines Vaters. In seiner Pubertät und nachdem die Mutter an Tuberkulose verstorben war, was das schwierige Verhältnis zum Vater nur kurzzeitig verbesserte und sich recht durch die baldige Wiederverheiratung, zog er sich in den Pietismus zurück, mit dem er durch seine Mutter erstmals in Berührung gekommen war und übte sich in religiöser Enthaltsamkeit. Im Mai 1867 legte Strindberg sein Abitur ab und immatrikulierte sich in Uppsala für das Studium der „Ästhetik und lebenden Sprachen“. Neben Versuchen, sich als Scharfschütze und Prediger Geld zu verdienen, war er vor allem als Grundschul- und Hauslehrer tätig. Bald darauf nahm er außerdem ein Medizinstudium auf, brach die Studien jedoch 1869 ab, um sich an einer Karriere als Schauspieler zu versuchen. Nach deren Scheitern entschied er sich 1870, das Studium in Uppsala fortzusetzen. Während seiner Studienzeit begann Strindberg mit dem Schreiben. Nach zwei Jahren zwang ihn seine finanzielle Situation, das Studium endgültig abzubrechen und in die Hauptstadt zurückzukehren. Er versuchte, als Journalist unterzukommen. Die erste Fassung von Mäster Olof (Meister Olof) entstand in dieser Zeit. 1873 arbeitete er als Redakteur bei der schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter. Ein Jahr später bekam er bei der Königlichen Bibliothek eine Anstellung als Sekretär, die bis 1882 bestand. Strindbergs literarischer Durchbruch kam 1879 mit der Herausgabe von Röda rummet (Das rote Zimmer), einem satirischer Gesellschaftsroman, und der Aufführung von Meister Olof. 1877 heiratete Strindberg die Finnlandschwedin Siri von Essen, eine Schauspielerin des Königlichen Theaters. Mit ihr hatte er drei Kinder (Karin 1880, Greta 1881 und Hans 1884). Während der folgenden Jahre schrieb er ein historisches Werk, Svenska folket (Das schwedische Volk) und den Roman Det nya riket (Das neue Reich). Diese Werke waren in einem realistischen Stil geschrieben, der im Prinzip sämtliche gesellschaftlichen Institutionen kritisierte. Strindberg wurde so viel diskutiert und kritisiert, dass er sich 1883 genötigt sah, Schweden zu verlassen, um sich in Frankreich und später in der Schweiz niederzulassen. Zusammen mit Siri und den Kindern schloss sich Strindberg der skandinavischen Künstlerkolonie im französischen Grez an. 1884 wurde die Novellensammlung Giftas (Heiraten) veröffentlicht. Der erste Teil der Dygdens lön (Lohn der Tugend) führte zu einer Anklage wegen „Gotteslästerung und Verspottung der Heiligen Schrift und der Sakramente“. Strindberg, zu diesem Zeitpunkt in Genf lebend, musste in Stockholm vor Gericht erscheinen. Bei seiner Ankunft wurden Kundgebungen veranstaltet, eine Festaufführung von Glückspeters Reise wurde mit großem Erfolg gezeigt. Arbeiterorganisationen und Akademiker sprachen sich für den Schriftsteller aus. Letzten Endes sprach das Gericht Strindberg frei, woraufhin er in die Schweiz zurückkehrte. Trotz des Freispruchs blieb die Anklage jedoch nicht ohne negative Folgen für ihn. In Schweden verlor man das Interesse an Strindberg, der sich nun vorläufig von seinem Heimatland abwendete. Andere Werke machten Strindberg darüber hinaus in ganz Europa als „Frauenfeind“ bekannt. Während des Auslandsaufenthalts fuhr Strindberg fort, autobiografische Romane sowie gesellschaftskritische Romane zu schreiben und zu publizieren. Bis Ende 1889 blieb er im Ausland und kehrte schließlich nach Stockholm zurück. Seine Ehe mit Siri von Essen war in dieser Zeit immer angespannter geworden, was sich auch in den Frauenportraits in seinen Romanen niederschlug. August und Siri ließen sich 1891 scheiden. Der Aufbruch war von einer künstlerischen Krise begleitet. 1892 zog Strindberg nach Berlin. Anfang 1893 lernte Strindberg die zwanzigjährige Journalistin Maria Friederike Uhl (Frida) aus Österreich kennen. Wenige Monate später nahm er sie auf Helgoland zur Frau. 1894 wurde Tochter Kerstin geboren. Zahlreiche Auseinandersetzungen und Streitereien begleiteten die Beziehung, so dass es noch im selben Jahr zum endgültigen Bruch zwischen Strindberg und Uhl kam. Erst 1897 wurde die Ehe rechtskräftig geschieden. Nach der Ehe mit Frida Uhl durchlebte Strindberg eine ausgesprochen düstere Phase seines Lebens, in der er unter Wahnvorstellungen, Realitätsverlust und Depressionen litt. Sie wird „Inferno-Krise“ genannt, da Strindberg die Erfahrungen dieser Zeit vor allem in dem Roman Inferno, Legender (1897, Inferno. Legenden) in Form von autobiografischen, teilweise verklärten Aufzeichnungen verarbeitete. Es ist auch die Zeit, in der Strindberg begann, wissenschaftliche und alchemistische Versuche zu machen. Er widmet sich vermehrt den Wissenschaften, speziell Evolutionstheorie, Soziologie, Psychiatrie und Chemie interessieren ihn. In gewisser Weise gelang es ihm, sich „frei zu schreiben“ und so seine psychische Krise zu überwinden. In den folgenden sechs Jahren schrieb er mehr als 25 Stücke. In der Zeit zwischen 1898 und 1907 findet eine Neuausrichtung in Strindbergs Schreiben statt: Von Anarchismus, Realismus und Naturalismus hin zu Mystik, Symbolismus und Okkultismus. Seine in dieser Zeit entstandenen Dramen haben die europäische Theatergeschichte des 20. Jahrhunderts nachhaltig beeinflusst. Strindberg war jetzt ein berühmter Schriftsteller, was nicht verhinderte, dass er finanziell in der Krise war und weiterhin gegen alles und jeden einen Aufstand machte. 1897 beschloss er, sich doch mit seinem Land zu versöhnen und zog nach Schweden zurück. 1900 lernte Strindberg die junge Künstlerin Harriet Bosse bei einer Theatervorstellung kennen. Fasziniert von ihrer exotischen Erscheinung bot er ihr die Rolle der Dame in seinem Drama Nach Damaskus an. 1901 heirateten Strindberg und Bosse. Im Jahr darauf wurde Tochter Anne-Marie geboren. Strindbergs Ehe mit Bosse hielt bis 1904. Von besonderer Bedeutung für Strindberg war die Gründung des Intimen Theaters am 26. November 1907 in Stockholm, wo er sich mit Begeisterung als Stifter, Dramaturg und Regisseur einbrachte. Auch schrieb er zahlreiche Stücke eigens für die Bühne des Theaters. Interne Streitigkeiten führten 1911 zur Schließung des Intimen Theaters. 1908 zog Strindberg in die Drottninggata 85, in den so genannten „Blauen Turm“, wo heute sein Museum und der Sitz der Strindberg-Gesellschaft sind. Während seiner letzten Jahre nahm er die gesellschaftskritische Sparte wieder auf, was eine sehr intensive Debatte auslöste. Strindberg wurde eine Ikone der Arbeiterbewegung. Im „Blauen Turm“ hatte er wieder Kontakt zu Siri und den gemeinsamen Kindern, die er auch finanziell unterstützte. Strindberg litt zunehmend unter Krankheitsbeschwerden, denn er war an Magenkrebs erkrankt. Seinen Abschied vom Leben nahm er mit den ergreifenden Worten „Jetzt ist alles Persönliche vernichtet“, worauf er eine Bibel auf die Brust legte. Am 14. Mai 1912 starb Strindberg - kaum einen Monat nach dem Tod von Siri. Er wurde in Stockholm auf dem Nordfriedhof Norra begravningsplatsen begraben, mit etwa 60.000 Trauernden im Gefolge. Ave Crux spes unica (Sei gegrüßt Kreuz, einzige Hoffnung) war die Inschrift auf dem Grabstein.

Strindberg war ein Künstler, so malte und fotografierte während mehrerer Lebensphasen mit künstlerischen Ambitionen. Strindbergs Malerei ist eng verbunden mit seinem literarischen Werk und spiegelt seine unstete, kontroverse Persönlichkeit gleichermaßen wider.

Strindbergs Persönlichkeit wies deutliche Züge einer paranoiden Schizophrenie auf - immer wieder wurde er von Wahnvorstellungen, Realitätsverlust und Depressionen heimgesucht. Auch drohte er unzählige Male in Briefen damit, Selbstmord zu begehen, ein ernsthafter Selbstmordversuch ist jedoch nicht belegt. Seine psychische Instabilität erreicht zwischen 1895 und 1897, im Alter von fast 50 Jahren, ihren Höhepunkt mit der so genannten „Inferno-Krise“. Strindbergs literarisches und künstlerisches Schaffen ist tief geprägt von seiner psychotischen Veranlagung und den gescheiterten Ehen. Literatur und Malerei dienten ihm als Mittel, um „dem Ansturm der Wirklichkeit zu begegnen und sich eine quasi-medizinische Kur zu verschaffen“. So enthalten zahlreiche seiner Werke autobiografische, teils verzerrte Züge.

Strindberg war ein „Suchender“ – sein Leben unstet, voller Wissbegier, Aufbegehren, Krisen und Wendungen. Von besonderer Bedeutung ist sein Verhältnis zur Religion, das sich im Verlauf seines Lebens mehrfach wandelte und sich in seinen Werken entsprechend niederschlägt. Schließlich ist es seine schonungslose Gesellschaftskritik, mit der Strindberg über Schweden hinaus bekannt wird. Strindbergs Verhältnis zu Frauen kann in erster Linie als ambivalent, nicht als absolut negativ, beschrieben werden und ist im Sinne seiner grundsätzlichen Auseinandersetzung mit der Beziehung zwischen den beiden Geschlechtern zu verstehen. 

Strindberg schrieb mehr als 60 Dramen, zehn Romane, zehn Novellensammlungen und mindestens 8.000 Briefe. Das macht ihn ohne Zweifel zu einem der produktivsten Autoren Schwedens. Strindberg umfasste alle großen Ideenströmungen, die es zum Ende des 19. Jahrhunderts gab. Er erneuerte die schwedische Prosa, indem er die deklamatorische und rhetorische Sprache der älteren Prosa durch Umgangssprache und scharfe Beobachtungen direkt aus dem Alltag ersetzte. Außerdem hatte Strindberg für seine Zeit möglicherweise höchste Bedeutung als Dramatiker: Er war inspiriert von Shakespeare und dessen schnellen Szenenwechseln. Strindberg revolutionierte das Drama aber auch, indem er die Schauspieler eine natürliche Umgangssprache verwenden ließ. Die Handlung in seinen Stücken bewegt sich typischerweise in einer historischen Umgebung und veranschaulicht Klassenkampf und psychologischen Stellungskrieg. Strindberg gilt als einer der Wegbereiter des modernen europäischen Theaters des 20. Jahrhunderts, vor allem mit seinen Dramen Fräulein Julie und der Trilogie Nach Damaskus. Damit ist er im gleichen Atemzug mit dem norwegischen Schriftsteller Henrik Ibsen und dem Russen Anton Tschechow zu nennen.

(Autor: Mareike Born)

Autoren aus Schweden

Wer kennt sie nicht, die Krimis aus Schweden: Sie liegen auf deutschen Nachttischen und Strandlaken. Schon seit ein paar Jahren stehen sie auf den Bestsellerlisten ganz oben, denn ihre Lesegemeinde ist treu. Sie liebt die Werke von Liza Marklund, Henning Mankell und Håkan Nesser……..

Krimis

Informationen über die Krimi-Autoren Arne Dahl, Åke Edwardson, Jan Guillou, Henning Mankell, Liza Marklund, Hakan Nesser, Helene Tursten, Maj Sjöwall und Per Wahlöö.

Belletristik

Informationen über die Belletristik-Autoren Marianne Fredriksson, Per Olov Enquist und Kerstin Lillemor Ekman

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Informationen über die Kinderbuch-Autoren Elsa Beskow, Gunilla Bergström, Tove Jansson, Astrid Lindgren, Sven Nordqvist, Annika Thor und Mats Wahl.

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