Mankell, Henning (* 3. 2. 1948 in Stockholm); schreibt Romane, Theaterstücke
und Kinderbücher. Er begann 1966 als Regieassistent am Riks-Theater in Stockholm
seine Theaterlaufbahn. Mit dem Ziel, die „Gesellschaft zu demaskieren“, schrieb
und inszenierte er bereits als 20-jähriger selbständig Stücke in Collageform.
Mit gleicher Intention begann er Anfang der 1970er Jahre auch Prosa zu
verfassen. 1973 veröffentlichte er mit Bergsprängaren seinen ersten Roman. Bis
heute nehmen politische und gesellschaftliche Themen in seinen Büchern viel Raum
ein. Er lebt seit den 1980er-Jahren v. a. in Moçambique, wo er in Maputo als
Leiter des »Teatro Avenida« eng mit dem Aufbau des dortigen nationalen
Theaters verbunden ist; international bekannt wurde er in den 1990er-Jahren mit
seinen sozialkritischen Kriminalromanen um den Kriminalkommissar
Wallander.
Kurt Wallander ist die fiktive Hauptfigur der meisten
Kriminalromane von Henning Mankell. Der grüblerische, introvertierte
Kriminalkommissar aus der südschwedischen Kleinstadt Ystad wohnt in der
Mariagatan. Die Figur durchläuft in allen Romanen, beginnend mit Mörder ohne
Gesicht, eine kontinuierliche Entwicklung. Mankell verbindet auf diese Weise die
Auflösung der Verbrechen eng mit der Biographie des Protagonisten und zeigt
einen Mann, dessen Leben seit seiner Scheidung typische Anzeichen einer Midlife
Crisis aufweist: Einsamkeit, das Erwachsenwerden seiner Tochter Linda Wallander,
zeitweilige Alkoholsucht, später mit der Diagnose Diabetes konfrontiert, mit
erheblichen Gewichtsproblemen und im permanenten Kampf mit der immer noch
starken Libido trotz abnehmender äußerer Attraktivität. Wallander leidet oftmals
angesichts der Schlechtigkeit der Welt und sieht in grausamen Verbrechen eine
Begleiterscheinung der negativen Entwicklung in der westlichen Zivilisation.
Damit fungiert die Figur in den Romanen als Sprachrohr des Autors und formuliert
dessen Gesellschaftskritik. Sein hohes Identifikationspotential verdankt
Wallander seinen moralischen Ansprüchen, seiner an Aufopferung grenzenden
Selbstdisziplin und der trotz aller Aufklärungserfolge stets gegenwärtigen Idee
des Scheiterns. Der Kommissar wird in den Romanen trotz eines entschlossenen,
furchtlosen und mutigen Engagements nicht als klassischer Held, sondern als
normaler Mensch dargestellt, dem seine persönlichen Probleme ebenso zu schaffen
machen wie vielen anderen.