Hejsan, ich bin Oskar, 8 Jahre alt und wohne in Schweden,
genauer in einer kleinen Stadt mitten in Småland. Die erste Zeit nach meiner
Geburt war ich bei Mama zu Hause. Nach wenigen Monaten, als sie dann wieder
arbeiten ging, blieb Papa zwei Monate bei mir. Dann kam ich zu Gunilla, meiner
Tagesmutter. Dort war ich der jüngste, Emma, meine Freundin war bereits 18
Monate und Filip nicht viel älter.
Meine Mutter brachte mich morgens hin
und nachmittags holte mich mein Vater ab. Zwei Jahre später wurde meine
Schwester Linnea geboren. In der Zeit, in der Mama nicht ins Büro musste, gingen
wir oft in die „offene Vorschule“. Das ist keine richtige Schule, sondern eher
ein Kindergarten, in dem die Eltern ihre Kinder die ganze Zeit begleiten. Die
Vorschule ist bei uns in der Stadt in einem Zentrum untergebracht, in dem auch
die Bibliothek, ein Frisör und der Speiseraum der Grundschule sind.
Montags machten wir oft Gymnastik in der kleinen Turnhalle nebenan und
dienstags sangen wir. Jeden ersten Mittwoch im Monat haben wir Ausflüge
unternommen, z. B. in die Feuerwache oder zum Freilichtmuseum. Ansonsten konnte
man dort prima mit den anderen Kindern spielen und toben, während meine Mama so
viel mit den anderen Müttern erzählte.
Freitags besuchten wir die
Krabbelgruppe von unserer Kirche. Am liebsten spielte ich dort mit der
Holzeisenbahn. Anschließend sangen wir, und zum Abschluß gab’s Käsebrötchen mit
Marmelade.
Wenn das Wetter schlecht war, nahm Mama uns mit in die
Bücherei, wo sie uns vorlas und wir Bücher und DVDs ausliehen. Am liebsten
mochte ich Alfons Åberg und Pettson und Findus, aber natürlich fand ich auch
Emil (ihr kennt ihn als Michel von Lönneberga) super.
Am meisten freute
ich mich auf die Wochenenden, wenn unsere Eltern nicht arbeiten mussten und wir
Ausflüge machen konnten. Ich paddelte am liebsten im Kanu, während meine
Schwester lieber im See schwamm. Aber der Samstag war eigentlich mein
Lieblingstag, denn nur an diesem Tag gab’s Süßigkeiten. Wir bekamen von meinen
Eltern einen „Gullpeng“ (10-Kronen-Stück, goldfarben) und konnten uns davon eine
Tüte Godis (Süßigkeiten) kaufen. Hier in Schweden gibt’s Süßigkeiten
hauptsächlich lose und man nimmt sich nur von den Sorten, die man sehr gerne mag
und weniger gesalzene Lakritz.
Mit 2,5 Jahren kam ich dann endlich in den
Kindergarten, der bei uns „dagis“ genannt wird und meine Schwester zu meiner
ehemaligen Tagesmutter Gunilla. Wir haben oft draußen gespielt, auch wenn das
Wetter nicht so gut war. Aber wir hatten alle Matschklamotten, die uns auch bei
starkem Regen nicht nass werden ließen. Wie meine Freunde Johan und Hugo blieb
ich den ganzen Tag dort. Mittags gab es etwas Leckeres zu essen und nachmittags
sollten wir uns ausruhen. Wenn wir mit den Dagiskindern unterwegs waren und
Ausflüge machten, mussten wir immer unsere gelben Warnwesten anziehen, und damit
niemand verloren ging stand hinten die Telefonnummer des Kindergartens drauf.
Manchmal gingen wir ins Museum. Ihr denkt vielleicht, ist das langweilig, fanden
wir gar nicht, denn es gab fast überall Dinge zum Ausprobieren und Anfassen. Am
liebsten ging ich ins Technische Museum, da konnte man viele Experimente machen
und z. B. einen Blitz erzeugen.
Jetzt bin ich schon in der Schule. Als
ich 6 Jahre alt war, kam ich in die Grundschule, in der man gewöhnlich 9 Jahre
lang mit seinen Klassenkameraden zusammen bleibt. Aber erst in der 8. Klasse
bekommen wir Noten, vorher gibt es schriftliche Beurteilungen. Die Noten
bestehen aus den Buchstaben G (ausreichend), VG (befriedigend) und MVG (gut).
Daran schließt sich das Gymnasium an, auf dem man, anders als in Deutschland,
eine Berufsausbildung erwerben kann. Hier in Schweden dauert die Schule meistens
bis in den Nachmittag und deshalb bekommen wir jeden Tag ein warmes Mittagessen,
welches fast überall kostenlos ist.
Zurzeit habe ich ein Kaninchen,
Gosan heißt es. Eigentlich gehört es, wie die anderen 7 Hasen auch, der Schule.
Jeder darf sich zwei Wochen lang um eines der Tiere kümmern, ihm Futter und
Wasser hinstellen und streicheln. Wir sollen lernen, Verantwortung zu übernehmen
und wie man mit Tieren umgeht. Zwei Mal in der Woche habe ich Fußballtraining.
Dann mache ich in der Schule meine Hausaufgaben und gehe anschließend gleich auf
den Sportplatz. Aber das Beste an der Schule sind natürlich die Ferien, im
Sommer haben wir acht Wochen schulfrei. Das ist prima, denn es werden jede Menge
Veranstaltungen angeboten, zum Beispiel verschiedene Trainingslager im Fußball-
oder Reitverein. Oder man fährt ins „kollo“, eine organisierte Jugendfreizeit.
Aber meistens fahren wir mit meinen Eltern in unser Sommerhäuschen am See, wo
wir dann jeden Tag baden oder Heidel- und Preiselbeeren pflücken. Natürlich
begegnen uns manchmal auch Elche, das ist hier nichts Besonderes. Einmal im Jahr
besuchen wir Astrid Lindgrens Welt. Das ist ein Freizeitpark, in dem Pippi
Langstrumpf, Michel und Co. zu sehen sind.
Jetzt will ich noch von
unseren Festen hier in Schweden berichten. Eigentlich sind es die gleichen wie
in Deutschland auch, aber wir feiern hier außerdem noch Mittsommer. Das ist ein
tolles Fest (fast das wichtigste überhaupt) zum längsten Tag des Jahres, immer
um den 24. Juni. Wir schmücken einen Maibaum mit Birkenlaub und Blumen, der dann
von den Männern mit langen Stangen aufgerichtet wird. Alle ziehen ihre schönsten
Kleider oder auch Trachten an und die Mädchen flechten sich einen schönen
Blumenkranz. Dann tanzen wir im Kreis um die Stange und singen lustige Lieder
dazu. Danach gibt es eingelegten Hering und neue Kartoffeln und zum Nachtisch
frische Erdbeeren mit Sahne.
Vor Weihnachten kommt der Luciatag, am 13.
Dezember. Früher glaubte man, dass an diesem Tag die längste Nacht sei. Deshalb
ziehen sich die Mädchen weiße Gewänder an und tragen einen Kerzenkranz auf dem
Kopf. Zu Hause bereiten wir den Eltern das Frühstück. In der Schule wird ein
Mädchen gewählt, welches zusammen mit ihrem Gefolge in Altersheime und
Krankenhäuser geht und dort weihnachtliche Lieder singt.
Weihnachten laden
wir immer unsere Verwandten ein oder besuchen sie. Die Geschenke bringt uns am
frühen Abend der „Jultomte“. Nachmittags um 15:00 Uhr sitzen nämlich alle vor
dem Fernseher und schauen sich die Weihnachtsgrüße der Disneyfamilie an. Wieder
ist das Essen sehr wichtig, denn es kommt ziemlich alles auf den Tisch: Als
Vorspeise marinierte Heringe, Lachs, dann Köttbullar (kennt ihr sicher von
Ikea), Weihnachtsschinken, Janssons Frestelse (ein typisch schwedischer
Auflauf aus Kartoffeln und Fisch), Kartoffeln, Salate, Pajs (auch typisch
schwedisch, erinnert ein bisschen an Pizza). Natürlich darf der Milchreis für
den Weihnachtstomte nicht fehlen und zum Abschluss natürlich Pfefferkuchen und
Lussekatter, ein Hefegebäck.
So wie in Deutschland auch, stellen wir
jedes Jahr einen Weihnachtsbaum auf, der natürlich irgendwann wieder
abgeschmückt werden muss. (So um den 13. Januar). Wir Schweden machen daraus ein
Fest, welches wir „julgransplundring“ (Weihnachtsbaumplünderung) nennen. Wieder
tanzen wir mit viel lustigem Gesang, diesmal um den Weihnachtsbaum. Dann gibt es
endlich die heiß ersehnte Schokolade.
Zu Ostern bekommen wir keine
Ostereier, sondern gewöhnliche Süßigkeiten. An Gründonnerstag verkleiden wir uns
als Osterhexe und betteln bei den Nachbarn, die uns leckere Sachen schenken. Und
bald habe ich auch wieder Geburtstag, an dem ich, genauso wie ihr, viele
Geschenke bekomme… Hejdå!