„Die Dämmerung brach an. Er war müde, nickte dann und
wann ein, als er dort saß und über die Berge blickte. Aber er konnte nicht
bleiben. Er musste fort von hier, sonst würden sie ihn finden. Er trat hinaus
ins Freie und pisste. Langsam wurde es heller. Dieses schwache graue
Dämmerlicht, das er aus Argentinien kannte. Wenn es nur nicht so kalt wäre. Er
kehrte wieder ins Haus zurück.“
Zweifelsohne gehört der schwedische
Schriftsteller zu den größten des 20. Jahrhunderts. Die meisten seiner Bücher
wurden in sämtliche Sprachen übersetzt, mehrere verfilmt. Zu den bekanntesten
Büchern gehört wohl die „Rückkehr des Tanzlehrers“. Zahlreiche Printmedien
halten das Werk für eines seiner Wichtigsten. Zum einen ist es eine Reminiszenze
an die Geschehnisse im Zweiten Weltkrieg, zum anderen ist es aber auch der
Beweis dafür, dass bis heute nationalsozialistisches Denken europaweit
verbreitet ist. Bekannt gemacht hat Mankell in Deutschland jedoch seine
Kriminalroman-Reihe Kurt Wallander.
Geboren wurde der Schriftsteller und
Theaterregisseur am 03. Februar des Jahres 1948 in der schwedischen Hauptstadt
Stockholm. Bereits achtzehn Jahre später startete er seine Karriere als
Theaterregisseur am Riks-Theater in Stockholm. Sein Ziel war es die Gesellschaft
zu demaskieren. Es war eben genau dieses Ziel von dem er sich bei der
Inszenierung seiner Werke leiten ließ. Schon im Alter von 20 Jahren schrieb er
erste Stücke in der Collageform. Anfang der 70er Jahre begann er mit gleicher
Intention auch Prosa zu verfassen. Im Jahr 1973 veröffentlichte er
Bersprängaren. Es war sein erster Roman. In seinen Werken nehmen bis heute
gesellschaftliche und politische Themen einen immens großen Raum ein. In den
80er Jahren begann er seine Wirkungsstätte immer mehr nach Mosambik zu verlegen.
Dort beteiligte er sich aktiv an dem Aufbau eines Theaters. Die weltbekannte
Figur des Kurt Wallander rief er in seinem Roman „Mörder ohne Gesicht“ ins
Leben. Von diesem Tag an gab der knorrige Polizist einer kompletten Romanreihe
ein Gesicht und führte es weltweit zu Ruhm. Diese Romane stehen in der Tradition
der von den Autoren Maj Sjöwall und Per Wahlöö verfassten Bücher über den
Kriminalkommissar Martin Beck. Einen Großteil seines Lebens verbrachte Mankell
abwechselnd in Schweden und Maputo, einer Stadt in Mosambik. Dort engagierte er
sich stark für den kulturellen Aufbau der Stadt und des Landes.
In
seiner Arbeit als Autor hat er mehrere Romane veröffentlicht, die seine in
Afrika gesammelten Erfahrungen verarbeiten. Mankells Stammbaum weist nach, dass
dieser über deutsche Vorfahren verfügt. So ist er der Ururenkel von Johann
Hermann Mankell, der in Niederasphe, einem Ortsteil von Münchhausen, geboren
wurde und später nach Schweden auswanderte.
Mit den Jahren hat sich
Henning Mankell ohne Zweifel zu einem der bedeutendsten Autoren der Welt
entwickelt. Er ist das Synonym des Krimis und das Spiegelbild der
Identifikation. Sein Erfolgsrezept scheint auf den ersten Blick so einfach, auf
den zweiten jedoch für viele unerreichbar: Es ist die Identifikation. Mankells
Romanhelden sind für seine Leser antastbar. In seinen Werken werden Probleme
aufgegriffen die die Gesellschaft weltweit lenken und sind meist aktueller als
es den Regierungen und Verlagen lieb ist. Sowohl politische als auch
gesellschaftliche Probleme sind die Leitbilder seiner Bücher, die Hintergründe
gehen in die Tiefen der Gesellschaft und nicht zuletzt in die Ursprünge der
Menschheit zurück.
Mankell schreckt vor Themen wie Rassismus und
Verleumdung nicht zurück, ganz im Gegenteil er greift sie auf und bringt sie
zurück in die Gedanken seiner Leser. Schon lange muss er sich nicht um die
Veröffentlichung seiner Romane bemühen. Verlage reissen sich um die Werke des
Schweden, der mit den Erfolgen seiner Romane aktiv die Arbeit in Mosambik
unterstützt. Mankell selbst gibt zu, dass ihn diese Arbeit nicht nur als Autor
sondern auch als Mensch maßgeblich geprägt hat und so ist es keine Seltenheit,
dass er die dort gemachten Erfahrungen in seinen Werken aufarbeitet und seine
Anhängerschaft so daran teilhaben lässt.
Die Helden seiner
Kriminalromane sind Menschen, die angreifbar sind, denen auch mal Fehler
passieren und die so für die Leser glaubwürdig werden. Zu den sympathischsten
Figuren gehört wohl Kurt Wallander. Ein Mensch dessen Charakter durch ein Stück
weit Tollpatschigkeit geprägt ist und das ist es, was ihn sympathisch macht. Dem
Schweden gelang es mit dieser Figur eine Leitfigur seiner Generation zu
schaffen. Henning Mankell ist zu einem Phänomen einer neuen Generation und Zeit
von Kriminalautoren geworden und trotz all seiner Erfolge hat er sich seine
Sympathie, Ehrlichkeit und nicht zuletzt auch seine Einfachheit bewahrt. Im Jahr
1998 setzte er in Deutschland mit der Veröffentlichung seines Werkes „Die fünfte
Frau“ ein Zeichen. Nach diesem folgten drei weitere.
Nachdem er sich
Kurt Wallander abwandte, konzentrierte sich auf Afrika Romane und griff in ihnen
das weltweite Problem Aids auf. Auch wenn diese wahrgenommen und mit Sicherheit
respektvoll behandelt wurden, gehören sie nicht zu jenen Romanen, die mit dem
Schweden in Verbindung gebracht werden. Der Mensch Mankell ist rastlos und
verkündet in aller Welt, in internationalen Medien eine einfache Botschaft:
„Dass alle Menschen gleich sind. Dass wir Solidarität sein müssen. Dass wir
Afrika verstehen sollen, statt es zu verurteilen. Dass Afrika aus vielen Afrikas
besteht.“ Mit diesen Worten wird klar, dass die Arbeit auf dem schwarzen
Kontinent den Charakter des Henning Mankell wesentlich geprägt hat und ihn wohl
auch zu dem Menschen gemacht hat, der er heute ist. Der Zeit berichtete er, dass
er von einer Renaissance der Aufklärung und der Wiedergeburt der Vernunft
träumt: „In diesem frühen 21. Jahrhundert, dieser Zeit der wahnsinnigen,
wachsenden Kraft zwischen Arm und Reich, zwischen Vernunft und Gier, zwischen
Solidarität und der kalten Schulter, kann ich nur auf einen Neubeginn hoffen.
Die Verantwortung, die wir haben als die einzige Spezies, die ein Bewusstsein
vom Tod besitzt und daher den Wert des Lebens versteht – die müssen wir
zurückgewinnen. Die Zeit dafür wird immer knapper.“
In seinem Roman die
Rückkehr des Tanzlehrers macht Mankell deutlich das der Nazismus nicht mit
Hitler starb sondern von seinen Anhängern europaweit weitergelebt wird. Umso
beängstigender scheint es dabei zu sein, dass sich Neonazis nicht mehr mit
Springerstiefeln und einem provokativen Auftritt zeigen, sondern sich in
feines Tuch hüllt. Gleichzeitig macht Mankell aber auch unverkennbar deutlich,
dass Schweden nicht das unschuldige Land im hohen Norden ist. Im gleichen
Atemzug entfalten sich gemeinsam mit der Demontage des schwedischen
Wohlfahrtsstaates ganz andere Kräfte. Der Roman zeigt ein anderes und zugleich
aber auch beängstigendes Bild über ein Land dessen Natur eigentlich nicht
zauberhafter und atemberaubender sein könnte.
(Autor: Nancy Fischer)