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Freiwilligenjahr in Schweden

Ich hatte schon länger den Plan gehabt, nach dem Schulabschluss ins Ausland zu gehen. Vor fast genau einem Jahr entschloss ich mich all die Geschichten, Traditionen, Essgewohnheiten und die häufig beschriebene Gastfreundlichkeit Schwedens hautnah zu erleben.

Ein paar Monate , Internetseiten und Telefonate weiter, stand es dann fest: es ging für ganze 10 Monate nach Mittelschweden, in ein, für deutsche Verhältnisse, recht kleines Dorf, um als Freiwillige an einer Tanzschule zu arbeiten. Wenn man das Wort Freiwilligenarbeit hört, denkt man sofort an unbezahlte Schufterei in mitten kleiner Kinder oder langweilige Papierarbeit im Büro. Dass es so wunderschön sein konnte, Freiwillige zu sein, hätte ich mir auch nie träumen lassen.

Das Ganze ist möglich für jeden zwischen 18 und 30 Jahren und die Kosten werden vollständig  übernommen. Da sich aber in letzter Zeit leider immer mehr Interessierte bewerben, sollte man rechtzeitig anfangen, sich ein Projekt auszusuchen und sich zu bewerben. Man wird dann von einer Organisation in Deutschland in das gewünschte Land entsendet und dort von einer Gastorganisation aufgenommen. Meine Sendeorganisation war der Rote Baum in Dresden, welchen ich sehr empfehlen kann. Die Zusammenarbeit war großartig und Beitragskosten sind auch nicht angefallen, wie bei vielen großen professionellen Organisationen.

Ich fand dann im Internet eine Seite, auf der alle Projekte in Schweden aufgelistet waren. Es gibt eine unheimlich Vielfalt an Themen und Orten. Vom Süden bis zum Norden und von Arbeit in Jugendeinrichtungen bis hin zur Mediengestaltung. Für jeden etwas dabei. Ich entschied mich sofort für einen kleinen Verein, genannt Viksjöforsbaletten. Durch meine jahrelange Tanzerfahrung sagte mir das sofort zu, was nicht heißen soll, dass man sich nicht auch ohne Tanzausbildung bewerben kann. Ich schickte meine Bewerbung, telefonierte wieder und drückte insgeheim ganz fest die Daumen. Dann das grüne Licht: sie hatten eine Stelle für mich! Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Erst muss das Ganze von der EU bewilligt werden, da sonst keine Gelder zur Verfügung gestellt werden. Aber auch da hatte ich Glück und bald stand mein Anreisetermin fest.

Und so verbrachte ich ein aufregendes Jahr in Schweden. Ich wohnte in einer 4er-WG zusammen mit einer Armenierin, einer Türkin und einem Italiener. Es war nicht immer leicht zusammen zu wohnen, wenn man aus so verschiedenen Kulturen stammt, aber gleichzeitig war es toll. Wir verbesserten unser Englisch, gingen alle zusammen zum Schwedisch-Unterricht und tauschten uns auch über die schwedische Kultur aus.

Ein weiterer Service des Europäischen Freiwilligendienstes umfasst die Bereitstellung einer persönlichen Bezugsperson im Ausland, die sich um einen kümmert. Auch dabei hatte ich großes Glück und bekam gleich zwei Mentoren, die sich mit mütterlicher Liebe um mich kümmerten.

Meine Aufgaben waren in Schweden vielfältig. Vorrangig ging es natürlich um Hilfe in der Tanzschule. Am Anfang ließ die Sprache noch nicht so viel eigenständige Arbeit zu, so dass ich meiner Tanzlehrerin hauptsächlich in den Stunden mit den kleineren Kindern unterstütze. Später übernahm ich meine eigene Tanzgruppe, die ich voller Freude auf schwedisch leitete.
Außerdem ging ich zweimal die Woche mit meinem Mitbewohner in ein Altersheim, um sich zusammen mit den alten Schweden ein wenig zu bewegen.

Die Krönung meines Freiwilligen-Jahres war ein großes internationales Tanzfestival mit Tänzern aus New York, Griechenland und ganz Schweden. Wir hatten eine ganze Woche Tanzworkshops und lernten viele neue Leute kenne. Insgesamt eine wundervolle Erfahrung.

Nebenbei arbeitete ich am örtlichen Gymnasium und half in den Deutschstunden, was später auch für mich sehr nützlich war, um mein Schwedisch noch zu verbessern. Auch in einer Grundschulklasse schaut ich einmal wöchentlich vorbei und bastelte, las und spielte mit den Kleinen, welche zugegeben die allerbesten Schwedisch-Lehrer waren, weil sie einen in ihrer süßen Naivität und Direktheit einfach unermüdlich auf schwedisch zu plappern, bis man es schließlich doch versteht.

Die Höhepunkte meines Schweden-Jahres waren aber definitiv die typisch schwedischen Ereignisse, wie das traditionelle Lucia-Fest, Langlauffahren, Eisfischen, Elch-Safaris, Mitsommer natürlich und auch den schwedischen Nationaltag. Es war eine unglaublich spannende Erfahrung, eine unheimliche Bereicherung und einfach ein riesigen Spaß, ein Jahr in Schweden zu leben. Wen ich vielleicht ein bisschen mit meiner Begeisterung angesteckt habe, der kann sich gerne auf folgender Internetseite über Freiwilligenprojekte in ganz Schweden informieren:

http://ec.europa.eu/youth/evs/aod/hei_en.cfm

Die wirkliche Schwierigkeit besteht in der Versicherung, aber sich rechtzeitig zu informieren beugt da eindeutig Problemen vor. Hilfe findet ihr auf folgender Seite:

http://www.evsactually.gr/index.php/EVS/AXA-INSURANCE-FOR-EVS-VOLUNTEERS.html

Ich wünsche allen Mutigen und Neugierigen viel Spaß und eine genauso tolle Zeit im Norden! Es lohnt sich!

(Autor: Elisa Trebstein)

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