Das Jubiläum naht: Göteborg baut unter Zeitdruck

Karlatornet

Der Karlatornet, geplant vom Göteborger Bauunternehmen Sernecke. Bild: Sernecke

Göteborg, Schwedens zweitgrößte Stadt an der Westküste, steht vor gewaltigen Veränderungen im Stadtbild und bei der Infrastruktur. Große Bauprojekte sind beschlossen oder in Planung, die aus der pittoresken Küstenstadt in wenigen Jahren eine Metropole machen sollen. Wohnungen, neue Brücken und Tunnels, sogar der höchste Wolkenkratzer Nordeuropas sollen entstehen, um dem Wachstumsdruck zu begegnen. Ob alles zum 400. Stadtgeburtstag 2021 fertig wird, bleibt abzuwarten. Kritiker befürchten eine Dauer-Baustelle weit über das Jubiläum hinaus.

Die Stadtgründung anno 1621 macht Göteborg zu einer heute noch recht jungen Stadt. Schwedens König Gustav II Adolf befahl die Befestigung an der Mündung der Göta Älv aus strategischen Gründen. Schweden erhielt so im Dauerkonflikt mit Dänemark und Norwegen einen „sicheren Hafen“ an der Westküste. Das Jahr ’21 markiert somit das magische Datum von Göteborg, was auch in diesem Jahrhundert zünftig gefeiert werden soll. Und zwar nach den Wünschen der Stadtmütter und -väter am liebsten mit zukunftsweisenden Infrastrukturprojekten und neuen „Wahrzeichen“ in der Stadt.

Dafür ist zum Beispiel ein 240 Meter hohes Hochhaus namens „Karlatornet“ geplant, das als Landmarke am nördlichen Ufer der Göta Älv thronen soll. Es wird, wie der gesamte Stadtteil Lindholmen, künftig mit einer Seilbahn zu erreichen sein, die in schwindelnder Höhe von 50 Metern den Fluß überquert. Für das bessere Zusammenwachsen der Stadtteile ist auch eine neue Hebebrücke Richtung Hisingen geplant, sowie ein Zusätzlicher Tunnel unter dem Fluß, der die Autobahn E6 Richtung Norden entlastet (Marieholmstunnel).

Götaälvbron

Die geplante Göteälv-Brücke, mit Blick flussabwärts. Bild: Stadt Göteborg

Rund um den Hauptbahnhof ist ein komplett neues Viertel mit Büros, Geschäften, Wohnanlagen, sozialen Treffpunkten und einem großen Reisezentrum geplant. Hier werden Industriebrachen und ungenutzte Bahnanlagen umgewandelt. Das Zauberwort „Verdichtung“ macht in Göteborg die Runde, so dass auch viele andere Stadtflächen auf den Prüfstand für neue (Wohnungs-)Bebauung kommen.

Was den Jubiläumstermin 2021 ernsthaft auf die Probe stellt, ist ein umstrittenes Infrastrukturprojekt. Der geplante „Västlänken“ musste viel Kritik hinsichtlich seiner Sinnhaftigkeit einstecken, – zumal der Bau im Untergrund zentrale Stadtteile auf Jahre lahmlegen könnte. Auch touristische Hotspots sind betroffen, wenn der Tunnel für den Schienennahverkehr gebaut wird. Schächte und Stationsbauten sind nahe des belienten Haga-Viertels, Rosenlund, Gothia Towers (Messe) und Liseberg geplant. Mit der Fertigstellung ist nicht vor 2026 zu rechnen.

Ein feierlicher Rahmen für ein Stadtjubiläum. Aber wer weiß: vielleicht verschiebt man den Termin, wie schon vor 100 Jahren. Damals verzögerten sich die Feierlichkeiten aufgrund des 1. Weltkrieges – und weil einige „Prestigebauten“ nicht rechtzeitig fertig wurden. Stattdessen wurden bekannte Göteborger Wahrzeichen wie das Kunstmuseum, die Poseidon-Statue oder der Freizeitpark Liseberg erst 1923 eingeweiht.

PS: Über aktuelle Infrastrukturpläne in Stockholm haben wir => hier berichtet. 

 

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