Schwedenfahrt der Uni Köln - Auf den Spuren
von Victor Moberg
Lange geplant und in der Exkursionswoche an Pfingsten schließlich umgesetzt, die Fahrt nach Småland der Uni Köln, zu der ich mich dann doch mehr oder weniger kurzentschlossen angemeldet hatte. Wahrscheinlich genau so kurzentschlossen wie Christina Missey, unsere Schwedischdozentin, das Ganze auf die Beine gestellt hatte. Ein falscher Gedanke und sowas passiert dann :-)
Am 14. Mai 2005 machten
sich knapp 50 Studenten (oder in Einzelfällen auch Nicht-Studenten) zur Mensa
auf, wo man sich um 6:30 Uhr morgens treffen wollte. Das heißt, ich als
Nachteule brauchte im Prinzip gar nicht erst ins Bett zu gehen, bekam aber
schließlich doch vor dem Weckerklingeln um 4:30 Uhr noch 4 Stunden Schlaf oder
so. So konnte ich Köln und seinen Umkreis mal zu einer ganz neuen Tageszeit
sehen. In Köln angekommen ging es um 7 Uhr dann los in Richtung Norden. Im Bus
war ich dann schon wieder so wach, dass ich das Referat anfing vorzubereiten,
das ich in einer schwedischen Schule über das dortige Schulsystem halten sollte.
Irgendwann übermannte mich aber doch der Schlaf und ich bekam erst wieder in
Hamburg wieder irgendwas mit, als dort ein Fahrerwechsel stattfand,
passenderweise neben einem IKEA. Allerdings fragte ich mich schon nach einem
Tag, warum es mit Busfahrern nie einfach mal gut auszuhalten ist. Wir hatten mal
wieder so ein Prachtexemplar erwischt. Mit anderen Worten, dieser Mensch machte
sich u.a. mit seinen Umweltsauereien (Kippen irgendwo am Strand vergraben) nicht
unbedingt beliebt. Nachmittags setzten wir dann mit der Fähre in einer
Dreiviertelstunde nach Dänemark über, auf der für Mikko, unseren
Finnischdozenten, das Schicksal zuschlug, was ich aber erst später erfuhr. Durch
Dänemark ging es dann schließlich über die Brücke nach Malmö und von dort erst
zu unserem ersten Runenstein, den wir als aufrichtige Skandinavistikstudenten
einem McDonalds vorzogen, und schließlich nach Växjö, wo wir um halb 10 abends
unser erstes Vandrarhem bezogen. Hier war es echt schweinekalt, aber wir wohnten
auf drei Häuser verteilt an einem See, also sehr idyllisch. Und von Mücken auch
noch keine Spur. Ich verbrachte den Abend dann an einer abgelegenen Stelle an
diesem See, smste mit den Leuten, die aufs Rock Hard Festival gefahren waren,
und hörte Musik. An dem allgemeinen ersten Besäufnis in Schweden wollte ich mich
nicht beteiligen, weil ich nach 15 Stunden Fahrt doch relativ müde war und es
nur bis 10 Frühstück gab am nächsten Tag.
Der Sonntag begann dann mit
strahlendem Sonnenschein und der Erkenntnis, dass es in Schweden doch nicht so
kalt war wie befürchtet. Vormittags ging es ins Emigrantenmuseum nach Växjö, was
auf relativ wenig Interesse stieß und einige Exkursionsteilnehmer setzten sich
auch lieber draußen in die Sonne, anstatt sich in diesem Keller zu langweilen.
Schließlich hatten wir 4 Stunden Zeit, etwas essen zu gehen und die Stadt zu
erkunden, die ich für einen Spaziergang um den Växjösjö (Växjösee) und die
Lektüre des EMP Katalogs nutzte, wobei mich ein Schwede ansprach, als ich am See
lag. Er erzählte mir von seiner Zeit in Växjö, seiner afrikanischen Frau, davon,
dass er bald nach Norwegen auswandern müsse, weil ihn die Fischerei in Schweden
nicht weiterbringe und dass das Wetter morgen ganz anders sein könne als heute.
Der Mann redete einfach gerne. Auf dem restlichen Weg traf ich ihn dann noch
mal. In der Stadt habe ich später einen Friedhof besucht und war Pizza essen.
Dabei wurde mir auch mal wieder schlagartig klar, dass die schwedische
Aussprache gar nicht so einfach ist, denn es bedeutet immer nichts gutes, wenn
man versucht auf schwedisch zu bestellen und die Antworten dann auf englisch
bekommt. Die vier Stunden waren auch eigentlich viel zu lang für eine Stadt, in
der die meisten Geschäfte zu haben, weil Sonntag ist und ich bin schließlich in
einen Park gegangen und habe mich die restliche Zeit auf eine Wiese gelegt. Dann
ging es weiter zur Kronobergs Schlossruine, wo wir nach der Besichtigung auch
wieder in der Sonne lagen, dieses Wetter konnte ja morgen schon vorbei sein, wie
uns schon der erwähnte Schwede erklärte. Dort gab es dann auch Abendessen und
natürlich Kaffee. Am Abend sollten wir uns dann alle kennenlernen, bei diesen
Namenlernspielchen fragt man sich dann wirklich immer, warum man nicht doch
zuhause geblieben oder auf das Rock Hard Festival gefahren ist. Die Namen kann
ich bis heute nicht. Die restliche Zeit verbrachte ich mit einem Spaziergang im
Wald, der durch den Sturm im letzten Winter in Småland doch etwas ramponiert
war, und wieder am See, wo mich diesmal jedoch Christina und Mikko fanden, die
aber versprachen, gleich wieder zu gehen, da ich ja sicher in Ruhe da sitzen
wolle. Vorher erfuhr ich dann noch, warum Mikko eigentlich die ganze Zeit keine
Brille aufhatte, die er ja sonst immer trägt. Auf der Fähre wollte er – ganz
Finne- dem Wind und der Kälte trotzen, sah dann allerdings beim Umdrehen nur
noch seine Brille in Richtung Heck fliegen. Den Rest der Reise suchte er dann
auch jedes optikerähnliche Geschäft auf, um vielleicht doch noch ein paar
Kontaktlinsen zu ergattern, was ihm auch in einem Laden schließlich gelang.
Allerdings verlor er davon auch eine wieder und musste sich den Rest dann gut
einteilen und sich überlegen, an welchem Tag er denn etwas sehen
wollte.
Der Montag begann noch früher und um 10 Uhr waren wir auch schon
auf dem Weg Richtung Kalmar, wo wir uns das dortige Schloss ansehen sollten. Das
Frauengefängnis und die damaligen Foltermethoden (mit Fotos illustriert) waren
meiner Meinung nach so ziemlich das verstörendste der ganzen Fahrt, wenn man mal
von dem Abend im Hyttsill absieht. Ansonsten blieben mir nur riesige Säle und
Anita, das Pferd vom Dienst (in ausgestopfter Form), in Erinnerung. Danach
hatten wir wieder einige Stunden Freizeit in Kalmar, wobei man vom Schloss
erstmal überhaupt in die Stadt finden musste und dann direkt auf das stieß, was
man gesucht hatte: Einen McDonalds. Später ging ich dann in der Mall die
Geschäfte heimsuchen, fand in dem kleinen CD-Laden aber auch nichts
interessantes, besah mir den Hafen schließlich etwas genauer und ging dann in
die eigentliche Stadt. Warum hatte mir keiner gesagt, dass es hier noch viel
mehr Geschäfte gab? Hier fand ich auch den ersten Systembolaget, das schwedische
Pendant zum finnischen Alkoladen, und unternahm auch hier eine kleine
Besichtigungstour. Schließlich fuhren wir weiter über die Brücke nach Öland, der
zweitgrößten schwedischen Insel. Dort besichtigten wir einen Runenstein, dessen
Runen auch keiner der ca. 40 Skandinavistikstudenten lesen konnte. Stattdessen
gingen die ersten nach 5 Minuten lieber wieder zum Bus, weil es auf der Wiese,
auf der der Runenstein stand, wahnsinnig zog. Nicht so allerdings die 8
hartgesottenen Verbliebenen, von denen sich ein Teil vorgenommen hatte, sich
davor evil dreinguckend ablichten zu lassen, oder nein, eigentlich um unserem
Professor Dr. Kreutzer eine Freude zu machen und zu zeigen, dass wir extra den
langen Weg auf uns genommen haben, um seinen Lieblingsrunenstein endlich aus der
Nähe zu betrachten. Danach sollten wir allerdings die Sommerresidenz von Königin
was weiß ich was besichtigen, aber irgendwie fand sich dieses Schloss dann doch
nicht und wir gingen lieber zum Borgholmschloss, einem riesigen alten Gemäuer,
vor dem dann wieder evil Fotos gemacht wurden. Tatsächlich hätte es sich aber
für CD-Cover einer Metalband geeignet, keine Frage. Irgendwie mag ich solche
alten Burgen und die Aussicht von da war auch wirklich beeindruckend und das
Wetter hätte passender nicht sein können (Wind, tiefhängende Wolken). Alles in
allem eine tolle Atmosphäre. Als wir dann wieder fahren sollten, fehlten dann
Tim (der wahrscheinlich immer noch evil Fotos machte) und unser Busfahrer. Die
Burg wurde also für die beiden noch einmal aufgemacht. Nun fuhren wir fast ganz
in den Norden der Insel nach Böda, wo unsere nächste Jugendherberge lag. Dort
gab es für 4 Personen immer ein Minihaus. Da ich lieber in Hochbetten penne,
hatte ich nun viel Spaß mit der Decke, die so dicht über dem Bett war, dass man
sich quasi nur kriechend in dieses Bett bewegen konnte. Den Abend verbrachte ich
mit Isabell und Hannah und Gesprächen über Nahtoderfahrungen und ungeklärte
Phänomene und den Mörder vom Lake Bodom. Nach 10 machten die beiden sich
bettfertig, so dass ich mich nach einer Stunde Überlegens dazu entschloss, doch
noch rüber zu den anderen noch Wachen zu gehen. Viele waren das um halb 12 auch
leider nicht mehr, aber ich habe gemerkt, dass noch einiges an Aufklärarbeit
geleistet werden muss, was Met angeht… dieses Getränk scheint insgesamt doch
eher noch ein Undergrounddasein zu fristen, was ich aus Kommentaren wie
„Vielleicht sollte da besser kein Honig rein“ entnehme.
Den Dienstag
wollte ich eigentlich schon ausschlafen, weil eine freiwillige Wanderung auf dem
Plan stand, was man aber scheinbar wieder geändert hatte und die Wanderung wurde
nun gemeinsam gemacht. Sie führte durch den Trollskogen (Trollwald), der immer
wieder am Meer vorbeiging und aus Nadelbäumen bestand, die richtig gut rochen.
Auf einer Wiese, die zum Meer führte, standen ein paar zottelige Kühe, die
natürlich als DAS Fotomotiv dienten und nur wenige entdeckten so die
Blindschleiche, die sich uns über den Weg schlängelte. Mikko bewies schließlich,
dass er für ein Leben im Wald geeignet war, und erklärte uns, welche Pflanzen
essbar waren. Später auf der Wanderung stellte sich uns ein alter
flechtenbewachsener Baum in den Weg, der auch gut für ein Finntrollvideo dienen
könnte. Aus dem Wald wieder raus konnte ich mich schon mal an Wackenverhältnisse
gewöhnen, schlimmer können die Klos da jedenfalls auch nicht sein… (und sie
sagte noch: „Vorher noch mal tief einatmen!“). Allerdings mussten wir noch auf
die Bonner warten, denen sich ein Rind in den Weg gestellt hatte und die vor
lauter Angst wieder den ganzen Weg zurückgegangen waren, um sich nicht auch noch
zu verlaufen. Essen gab es dann wahlweise in einem Restaurant oder an einer
Frittenbude, ich hatte mich diesmal für das Restaurant und einen Salat mit
Hähnchen drin entschieden, der okay war, mehr auch nicht. Vielleicht hätte ich
doch besser Köttbullar essen sollen. Dann fuhren wir an der Mauer von Karl dem
X. vorbei und entschieden uns dann doch noch zum Långe Jan, einem Leuchtturm im
Süden von Öland, zu fahren, wo es auch die Vogelbeobachtungsstation in Ottenby
gab. Der Leuchtturm hatte allerdings schon zu und so kamen wir dann wieder an
Karls Mauer vorbei, nun zum 4. Mal oder so. So kamen wir auch erst spät in
Eketorp an der nächsten Burg an, wo ein mittelalterliches und eisenzeitliches
Dorf nachgebaut war, in dem Schweine und Schafe frei herumliefen. Die Menschen
früher mussten wirklich klein gewesen sein, selbst ich kam mir in diesen Häusern
vor wie in einem Puppenhaus. Einige merkwürdige Gestalten liefen ebenfalls noch
dort herum, Schweden mit irgendwelchen alten Gewändern, vielleicht die
Mitarbeiter der Burg, die so kurz vor Feierabend noch mal ihrem Hobby frönen
wollten oder so.
Nun fuhren wir schließlich nach Ljuder, wo unsere
letzte Jugendherberge sein sollte. Der Weg dahin war für einen Bus definitiv zu
eng, aber wir hatten ja das Glück, dass wir hier noch einige Male langfahren
mussten, weil wir ja 3 Tage bleiben sollten. Da konnte man ja dann eine
Lichtschranke aufbauen und immer die Zeit stoppen. In dieser Jugendherberge
wohnte man sehr beengt, meistens zu zweit und unsere Nachbarn haben auch gleich
ein paar Möbel aus ihrem Zimmer geworfen, weil sonst kein Platz für ihr
zahlreiches Gepäck gewesen wäre. Natürlich hatte ich mein Bett wieder oben,
wobei diesmal die Treppe so günstig angebracht war, dass es im Prinzip so gut
wie unmöglich war, da hochzukommen, weil an genau dieser Stelle die Wand in den
Raum ragte.
Am nächsten Tag ging es wieder früh weiter, wobei mir beim
Frühstück ein „vegetarisches Aussehen“ von meiner Schwedischdozentin bescheinigt
wurde. Nach dem Schock, dass man auch hier Schnappi nicht entgehen konnte und es
sogar noch ein Lama aus Yokohama zum Freund hatte, fuhren wir also in den
Elchpark, und ein alter Typ mit Hut führte uns die Brunftschreie der männlichen
und auch weiblichen Elche vor, während ich fasziniert vor dem Schild stand, das
für Elchwurst warb („Elchwurst kaufen. Feuer machen. Elchwurst grillen.“). In
dem Park an sich gab es erstmal wieder einige Streicheltiere (Schweine, Ziegen),
dann konnte man sich das Elchpaar Karl Gustav und Silvia mit seinem Kalb
Madeleine angucken, die sichtlich keinen Bock hatten, heute noch irgendwas zu
machen. Der Weg um das größere Gehege führte wieder mehr oder weniger durch den
Wald, aber man konnte tatsächlich in diesem Dickicht einen Elch entdecken, der
gelangweilt auf irgendwas herumkaute. Auf dem Rückweg gab es dann natürlich noch
einen Elchshop, wo man alles mögliche rund um den Elch kaufen konnte, von der
vorhin erwähnten Elchwurst über Elchfell, T-Shirts, Postkarten, Taschen, Kissen
und Gläser mit Elchen drauf bis hin zu Elchscheiße. Wie man merkt wird dieses
Tier in Schweden sehr gut vermarktet und ich konnte es auch bei meinem Faible
für Socken nicht lassen, mir ein Paar mit Elchen drauf zu kaufen. Jedenfalls
kann man in diesem Laden jede Menge Geld lassen und ich glaube, mit unserer
Gruppe hat der Park das Geschäft seines Lebens gemacht. Mit Sicherheit verbringt
man mehr Zeit in diesem Laden als im Park selbst… Dann ging es schließlich nach
Emmaboda, wo wir eine schwedische Grundskola (Grundschule) besuchen sollten.
Dort schienen deutsche Studenten schon etwas sehr exotisches zu sein, ich fühlte
mich jedenfalls so, wie die Elche sich in dem Park fühlen mussten. In der Aula
hielt ich dann mein Referat über das schwedische Schulsystem, das ganz anders
ist als in Deutschland, da die Grundschule alleine schon 9 Jahre dauert. Nun
hieß es erstmal in der Schulmensa essen und Kaffeetrinken, danach gab es einen
Vortrag von einer Freundin von Christina, die in dieser Schule unterrichtet,
über schwedische Ortsnamen. Nachdem allerdings zahlreiche Leute -einschließlich
mir- dabei eingeschlafen waren, hielt sie es doch für besser, eine Pause zu
machen mit der Erklärung, dass einige Leute vielleicht ein bisschen Luft
bräuchten… Danach ging es weiter, allerdings nicht mehr lange und wir wurden
durch die Schule geführt, besahen uns die Bibliothek, wo mich ein Buch sehr
ansprach, das den Namen „Lille Ville äter frukost“ (Der kleine Ville frühstückt)
trug, den Chemieraum (wobei die Kondomeria (Kondomsammlung), die davor aufgebaut
war, mehr Interessenten anzog) und die Sporthalle, die auch nicht viel anders
aussahen als in Deutschland. Wieder aus der Schule raus fing es an zu regnen,
ein seltener Anblick bei unserem Aufenthalt in Schweden. In der Innenstadt von
Emmaboda angekommen entschied man sich dann doch, lieber nur eine Stunde
Aufenthalt einzuplanen, da der Ort aus ganzen zwei Supermärkten, einem
Systembolaget, einem Elektrogeschäft, einem Klamottenladen und einer
Buchhandlung bestand. So ging ich in die Buchhandlung und stellte fest, dass es
hier dieselben Meerschweinchenbücher wie in Deutschland gibt, nur dass es hier
Marsvin heißt und kaufte im Konsumsupermarkt (einen passenderen Namen habe ich
noch nirgends gesehen) ein, wobei mir klar wurde, dass die Schweden auch zugeben
müssen, dass nicht alles schlecht ist, was aus Finnland kommt… ich habe ein Eis
gefunden, das einen nicht unerheblichen Lakritzanteil aufwies. Da man sich in
Emmaboda wirklich nicht weiter beschäftigen konnte, lagen am Ende ca. 20
Studenten vor dem Bus in der Sonne und warteten, dass es denn endlich
weiterginge. Andreas erinnerte uns auch noch mal daran, warum wir eigentlich
hier waren und wies uns auf die Werke des Victor Moberg hin. Vilhelm musste also
einen Bruder haben, der in Wirklichkeit für ihn geschrieben hatte oder so, so
musste es sein. Am frühen Abend besuchten wir eine kleinere Glashütte und fuhren
schließlich zur Hyttsill nach Orrefors, auf deren Parkplatz unser Busfahrer auf
die grandiose Idee kam, nicht langweilig in Richtung der Einbahnstraße zu
fahren, sondern in der entgegengesetzten Richtung, was zur Folge hatte, dass er
ein anderes parkendes Auto rammte und man erstmal den Fahrer ausfindig machen
musste. Es stellte sich heraus, dass ein deutscher Bus grade ein finnisches Auto
in Schweden gerammt hatte. Was genau jetzt geregelt wurde, weiß ich nicht, da
ich mir lieber Kölner Studenten auf Exkursionsfahrt angesehen habe, wie sie auf
schwedischen Spielplätzen Studien durchführen. Schließlich ging es in die
Hyttsill, wo es unter anderem Abendessen geben sollte. Es gab Kartoffeln,
Hering, Knäckebrot, Käse und Wurst und kurz nach dem Hauptgang schrie Mikko, der
neben mir saß, auch schon nach dem auch aufgelisteten Ostkaka (Käsekuchen),
nachdem er lautstark die schwedischen Trinklieder, die uns von zwei Typen mit
Gitarre dargeboten wurden, mitgesungen hatte und dem deutschen „Trink, trink,
Brüderlein, trink“ eine uns allen unbekannte Strophe hinzugefügt hatte. Das
Grauen sollte allerdings noch kommen. Bei „August och Lotta“ hatte ich mich ja
schon gefragt, warum ich denn Nichtraucher bin und somit keinen Grund habe, mal
rauszugehen, weil ich dringend eine rauchen muss. Trinklieder ohne Schnaps sind
einfach unlustig. Nach dem Ostkaka und Kaffee sahen wir uns noch an, wie Glas
geblasen wurde, konnten das ganze auch selbst mal versuchen, wobei das
Endergebnis allerdings sofort wieder zerstört wurde. Irgendwann hatten wir es
dann schließlich geschafft und gingen wieder zum Bus zurück. Um 22 Uhr waren es
dann auch nur noch 5 °C. Eigentlich wollte ich gar nichts mehr machen an diesem
Abend, aber dann hatte es sich doch noch ergeben, sich um ein Lagerfeuer
herumzustellen und den Met weiterzutrinken. Um 1 Uhr kamen dann meine
Mitbewohner auf die Idee, Karamellbonbons zu machen. Das konnte ich mir ja dann
auch nicht entgehen lassen.
Den Donnerstag habe ich erstmal bis nach 11
gepennt, weil es eine freiwillige Wanderung zu einem See gab, auf der man sich
dann verlaufen hatte und deshalb erst mit anderthalbstündiger Verspätung
losfahren konnte. Nachdem klar war, dass es noch dauern würde, habe ich mich
dann selbst noch mal auf den Weg in den Wald gemacht. Heute hatten wir
hauptsächlich Vilhelm Moberg auf dem Plan, fuhren zuerst nach Moshult und zu
seinem Geburtsort, wo es einen Gedenkstein gab, allerdings lud das Wetter eher
dazu ein, sich einfach auf eine Wiese zu legen und zu dösen, was wir auch
hauptsächlich gemacht haben. Dann fuhren wir zum Klasatorpet, wo wir unser Quiz
durchführten, in dem getestet werden sollte, was die Exkursion jetzt gebracht
hatte. Das ganze kam mir eher vor wie eine Schnitzeljagd auf einem
Kindergeburtstag und die lustigen zusätzlichen Antwortmöglichkeiten, die unsere
Vorgänger auf die Zettel geschrieben hatten, (Aus was wurde das Kalmarer Schloss
erbaut? 1. Kalkstein X. Sandstein 2. Beton 3. Lego, Weshalb immigrierten viele
Schweden nach Amerika? 1. Hungersnot X. Bildungsnotstand 2. Pest 3. Metal)
heiterten das ganze auf. Und am Ende lagen wir wieder in der Sonne. Abends dann
wieder nach Emmaboda, wo wir noch mal einkaufen konnten. Allerdings hatten nur
noch die beiden Supermärkte auf, also keine Buchhandlung und auch kein
Systembolaget mehr. Das Abschlussessen fand dann in einem Restaurant statt, und
für die meisten gab es dann auch Elchsteak, genau wie für mich. Nach einem
Vortrag von Felix über das Roskildefestival (und ich habe doch nur gefragt, wie
es da war…) fuhren wir wieder zurück zum Vandrarhem, wo heute natürlich noch mal
Lagerfeuer angesagt war und der restliche Met und der Rum, für den sich das
Helangårlied noch mal anbot, weg musste. Um halb 2 habe ich es dann auch endlich
ins Bett geschafft und am nächsten Tag klingelte um 5 Uhr morgens wieder das
Handy, weil es um 7 Uhr dann losgehen sollte. Den ganzen Weg wieder zurück, in
17 Stunden bis nach Brühl, auf dem ich hauptsächlich die interessantesten
Schlafstellungen ausprobiert habe, die manchmal auch zum Erfolg geführt haben.
In Bremen hatten wir schließlich einen kleinen Zwischenstop. Wie auch immer,
zurück in Deutschland wurde mir schlagartig klar, dass das Land, in dem ich
wohne, einfach nicht mein Land ist und ich mich zum Norden sehr viel mehr
hingezogen fühle…