Kurz nach 6.00 Uhr am nächsten Morgen färbte sich der Himmel orange-lila
von der aufgehenden Sonne, die eine Stunde später bereits hell vom Himmel
strahlte. Wir packten Verpflegung für den Tag in unsere Rucksäcke und machten
uns auf den Weg nach Forsbackabaden. Dort erwartete man uns bereits, und wir
wurden über die Strecke und die Sicherheitsvorschriften für die Fahrt mit der
Draisine informiert. Wir verstauten unsere Rucksäcke, legten uns ein weiches
Polster auf den Sitz und mein Mann trat als erster in die Pedalen. Verschiedene
Leute hatten uns erzählt, dass es recht schwer wäre, das Fahrzeug zu bewegen,
aber das konnte man wirklich nicht sagen. Die Fahrt ging durch Wälder, vorbei an
idyllischen Seen und alten Bahnstationen. Wir wechselten uns mit dem Treten
mehrfach ab und erreichten nach ca. 10 km einen Tunnel - 250 m lang und ohne
Licht. Davor machten wir noch eine kleine Pause und wollten uns dann gestärkt an
die Durchfahrt machen. Obwohl uns vor Antritt der Fahrt gesagt wurde, dass wir
vor dem Tunnel auf breitere Schienen treffen würden, und das Fahrzeug
übergesetzt werden müsste, hatten wir das natürlich schon längst wieder
vergessen. Erst als unsere Draisine entgleist war und wir auf der Nase lagen,
fiel uns die Warnung schlagartig wieder ein - leider zu spät. Aber wir hatten
Glück, denn uns war weiter nichts passiert, und wir durchfuhren den dunklen
Tunnel. Danach ging es allerdings recht ordentlich immer nur abwärts, und wir
dachten an den vermutlich recht anstrengenden Rückweg. Das wollten wir uns nicht
antun und beschlossen, den Rückweg anzutreten, 10 km hin und zurück waren auch
genug. Also drehten wir - zwei Mann vier Ecken - das Fahrzeug in die andere
Richtung und fuhren zurück nach Forsbackabaden.
Anschließend machten wir
mit unserem Wohnmobil noch eine gemütliche kleine Rundreise um den Ömmeln, durch
Svanskog über Långserud, Nysäter, Hogsäter, Gillberga zurück zum Campingplatz
Duse Udde und verbrachten dann den Rest des Nachmittags entspannt in der Sonne
mit Blick auf Felsen und Wasser. Bei unserem Abendspaziergang um „unsere“ Udde
erlebten wir noch einen traumhaften Sonnenuntergang in den Farben von hellorange
bis zum tiefen lila - einfach nur schön. Der nächste Morgen begann wie im
Bilderbuch, und dass ein Bilderbuchtag folgen sollte, wussten wir morgens noch
nicht. Gleich nach dem Frühstück wanderten wir im Sonnenschein am Wasser entlang
und genossen den frühen Tag. Mit unserem WOMO machten wir uns dann auf den Weg
nach dem Hof „Eldrida Islandshästar“, von wo aus wir mit Islandpferden durch die
Wälder reiten wollten. Da die Fahrt am Vortag mit der Draisine dem Rücken meines
Mannes leider nicht so gut bekommen war, wollte er sich das Reiten nicht zumuten
- wir waren ja immer noch am Anfang unseres Urlaubs. Er bekam eine genaue
Wegbeschreibung und fuhr mit dem WOMO zu einem Platz im Wald, wo er uns treffen
würde. Nach einer genauen Einweisung, wie mit Pferden umzugehen ist, worauf sie
reagieren und was man nicht tun sollte sattelte Ingela zwei Pferde und es konnte
losgehen.
Ich hatte zuletzt als kleines Kind 1948 auf einem Pferderücken
gesessen, und so ging Ingela zunächst zu Fuß mit Ihrem Pferd an der Leine
vorweg, und mein Pferd und ich konnten uns erst einmal aneinander gewöhnen. Wir
ritten auf schmalen Wegen durch den Wald. An einer Lichtung standen zwei
Elchkühe mit einem Kalb. Es kann vorkommen, erklärte mir Ingela, dass sich zwei
Kühe um ein Kalb kümmern, wenn eine Kuh ihr Kalb verloren hat. Weiter ging es
durch die herrliche Natur bis zu einem kleinen See. Hier trafen wir auch wieder
auf meinen Mann. Die Pferde kamen in ein kleines umzäuntes Gehege, und wir kamen
an einem versteckt liegenden Platz mit Tisch und Bänken. Hierher hatte Ingela
schon früh am Morgen ein Picknick transportiert, und wir ließen uns Smörgåsar,
Kuchen und heißen Kaffee bei munterem Geplauder schmecken. Ein romantisches
Plätzchen, von dem wir am liebsten gar nicht wieder weggegangen wären. Der
Rückweg führte uns über Felsen und Senken, und ich war richtig stolz, dass ich
alles problemlos meisterte - natürlich Dank der umsichtigen Führung von Ingela.
Bald erreichten wir unseren Ausgangspunkt, wo wir die Pferde absattelten und
bürsteten. Bewundernswert die Ruhe und Ausgeglichenheit, mit der Ingela mit Tier
und Mensch umging. Am frühen Nachmittag verabschiedeten wir uns und ließen uns
noch den Weg zum „Naturbyn“ erklären.
Gerade eben dort angekommen kam
ein junger Mann mit einem recht betagten Geländewagen und fragte uns nach
unseren Wünschen. Wir berichteten ihm, dass wir eigentlich hier hätten einmal
übernachten können - das wäre ja ein Teil unseres Gewinns gewesen - uns aber für
Duse Udde entschieden hätten. Das Naturdorf wollten wir uns aber gern einmal
ansehen. Er zeigte uns alle Einrichtungen wie Schlaf-/ Wohnhütte,
Gemeinschaftsraum, Küche, Dusche, Sauna usw., alles so hergerichtet, wie in
früheren Zeiten ohne Elektrizität. Alles sehr beeindruckend. Die Anlage wird
gern von Gruppen zum Erlernen der Teamfähigkeit genutzt. Zum Schluss schaute
sich der junge Mann dann noch unser Wohnmobil von innen an, und war doch sehr
erstaunt, welchen Komfort wir hatten. Der Rest des Nachmittags wurde faul in der
Sonne verbracht und nach dem Abendessen führte uns unser obligatorischer
Abendspaziergang an der Küste entlang zum Leuchtturm. Der zunehmende Mond
schimmerte auf dem Wasser, und um uns herum nur Stille und Natur. Früh am
nächsten Morgen herrschte reges Leben auf dem Platz. Es sah so aus, als sollte
eine Regatta stattfinden. Allerdings versteckte sich die Sonne hinter dickem
Nebel, der sich erst gegen 10.30 Uhr auflöste, und da war dann nichts mehr mit
Regatta. Wir waren gespannt, was uns der heutige Tag bringen würde, denn um
12.00 Uhr sollten wir den Arrangeur der Fahrt mit dem Wikingerschiff an der
Rezeption treffen. Gegen 11.30 Uhr sahen wir dann, wie die „Glad av Gillberga“
am Anleger festmachte.
Vor der Rezeption hatte sich eine Gruppe
„Wikinger“ und „Wikingerinnen“ eingefunden. Man begrüßte uns freundlich und
übergab uns die für diese Fahrt angemessene Kleidung, nämlich Hose, Oberteil und
Mütze nach Wikingerart. Das Aufstellen des Segelmastes und die Taue an die
richtige Stelle zu bringen dauerte fast eine Stunde. Mit sehr viel Ruhe und
Bedacht verrichtete die Besatzung ihre Arbeit. Für uns und die vielen
neugierigen Campinggäste eine interessante Angelegenheit. Dann endlich fuhren
wir mangels Wind mit Motorkraft auf den Vänern hinaus. Eine gemütliche Fahrt im
Sonnenschein, auf Schaffellen sitzend und entspannt aufs Wasser blickend war
das. Für die Rückfahrt wurde dann das große braune Segel mit einer Segelfläche
von 42 qm gesetzt. Alle warteten nun gespannt darauf, dass sich das Segel vom
Wind aufblähen sollte - aber nichts passierte. Hier draußen war auch nahezu
Windstille, und Bemerkungen wie „Besser als Sturm und Schnee“ oder „Wir haben ja
keine Eile“ und „Schau mal, der Wimpel bewegt sich“ trugen zur Erheiterung aller
bei. So fuhren wir mit ca. 1 m/sek zurück zur Duse Udde. Gerade an der
Anlegestelle angekommen - das Segel war eben aufgerollt worden - wehte oh Wunder
plötzlich ein leichter Wind! Er hätte gern etwas eher kommen können, aber
trotzdem war es ein wunderschöner, beschaulicher Segeltörn, ein richtiges
Erlebnis. Zum Schluss bekamen mein Mann und ich noch ein Diplom über die
Teilnahme an dieser Fahrt.